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Deponiebrände

Im Allgemeinen unterscheidet man zwei verschiedene Arten von Bränden:

  • Klein- und Schwelbrand sowie
  • Vollbrand.

Ein Schwelbrand stellt die Anfangsphase eines Brandes dar. Die Temperatur der Brandgase wird dabei mit ca. 600 °C abgeschätzt und es findet nur eine unvollständige Verbrennung statt.

Deponie Germendorf (© MUGV-Fotoarchiv, Harald Hirsch)Deponie Germendorf © MUGV-Fotoarchiv, Harald HirschBei einem Vollbrand sind wesentlich geringere Schadstoffkonzentrationen in der Umgebung zu erwarten als bei einem Schwelbrand, da einerseits die hohen Brandtemperaturen für eine wesentlich bessere Verbrennung der Schadstoffe sorgen, andererseits der thermische Auftrieb zur Verdünnung beiträgt.

Die Zusammensetzung der Brandgase wird im wesentlichen vom Brandgut und von den Bedingungen bestimmt, unter denen der Brand abläuft.

Auf der Mülldeponie in Bernau sind etwa 15.000 Tonnen Plastikabfälle und Bauschutt in Brand geraten, wodurch sich im Umfeld eine starke Rauch- und Geruchsbelästigung entwickelte.

Beim Brand von Bauschutt entstehen schädliche Brandgase aus den organischen Fraktionen, aus Anstrichen, Klebern und verschiedenen Kunststoffen. Typische Brandprodukte von Kunststoffbränden sind Kohlenmonoxid, Cyanwasserstoff, Stickstoffoxide, Chlorwasserstoff, Benzol, Formaldehyd, Acrolein, Fluorwasserstoff und Dioxine.

Der beim Brand entstehende Cyanwasserstoff weist gegenüber den anderen gebildeten Brandgasen das höchste Gefährdungspotential für den Menschen auf. Deshalb wird in der Regel eine Ausbreitungsbetrachtung für Cyanwasserstoff durchgeführt.

Bei einer ungünstigen Ausbreitungssituationen (Kunststoffbrände im Freien /Schwelbrand) wurde eine maximale HCN - Konzentration von 1,39 mg/m³ in einer Entfernung von 1.500 Meter (m) berechnet. Diese Konzentration liegt in der Größenordnung des Störfallbeurteilungswertes I, der die Unbedenklichkeit von Stoffwirkungen charakterisiert und bei dem lediglich Geruchsbelästigungen oder Reizwirkungen auftreten. Der Störfallbeurteilungswert II beschreibt die Konzentration, unterhalb derer auch empfindliche Personen keine irreversiblen Schäden davontragen. Dieser wird bereits in einer Entfernung von 200 m vom Brandherd unterschritten.

Zum Vergleich von Brandgeschehen und einhergehender Schadstoffbelastung wird von den Experten oftmals der Kunststoffbrand in Lengerich bei Münster im Tecklenburger Land (NRW) am 4. Oktober 1992 (Referenzereignis) herangezogen. Bei diesem Brand wurden in ca. 300 m Entfernung 7,9 mg/m3 Chlorwasserstoff gemessen. Diese Konzentration übersteigt geringfügig die Maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK-Wert), deren Einhaltung für einen gesunden Arbeitnehmer bei einer 40 h-Woche für dessen gesamtes Arbeitsleben gilt. Höhere Konzentrationswerte bei vergleichbaren Kunststoffbränden konnten der Literatur nicht entnommen werden.

Zusammenfassend gibt es keine Anhaltspunkte für eine unmittelbare Gefährdung der Bevölkerung.

An die Ruß- und Staubpartikel im Brandgas sind Stoffe gebunden, die Spätwirkungen wie Krebserkrankungen verursachen können. Daher wurde die betroffene Bevölkerung aus Vorsorgegründen aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Im Hinblick auf die Bildung und Ablagerung persistenter Umweltschadstoffe stellen die Dioxine die toxischste Substanz dar. Die Erfahrungen von Lengerich haben gezeigt, dass selbst bei einem großen und lang anhaltenden Kunststoffbrand die Dioxinbelastung in der Umgebung als unbedenklich eingestuft werden kann.

  • Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes wird empfohlen, die oberirdisch wachsenden Obst- und Gemüsearten in der Umgebung des Brandherdes (bis zu einer Entfernung von 3.000 m) vor dem Verzehr gründlich abzuwaschen.
  • Aus Gründen des vorbeugenden Tiergesundheits- und Verbraucherschutzes wird empfohlen freilaufende Tieren, welche der Lebensmittelerzeugung dienen, aufzustallen und Futtermittel, welche von außerhalb der Brandzone stammen, anzubieten.
  • Seitens der zuständigen Behörden wird ein fortlaufendes Kontroll-Messprogramm für die Beobachtung persistenter Umweltschadstoffe etabliert.
Letzte Aktualisierung: 04.02.2016

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