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Potenzielle Gefährdung landwirtschaftlich genutzter Böden Brandenburgs durch Wasser- und Winderosion

Bodenerosion ist die Verlagerung von Bodenmaterial an der Bodenoberfläche durch Wasser, Wind oder Schwerkraft. Erosion tritt vor allem dort auf, wo die Vegetationsdecke zu gering ist oder fehlt bzw. wo es sich um wenig aggregierte oder stark verdichtete Böden handelt. Auf Flächen mit intensivem Ackerbau, die in bestimmten Zeiträumen des Jahres nicht über eine geschlossene Pflanzendecke verfügen, können Wasser und Winderosion zu Bodenverlusten und Massenversatz, nähr-/ wirkstoffbedingten Veränderungen an Pflanzengesellschaften sowie am Trophiezustand und der Artenzusammensetzung von Oberflächengewässern in die erodiertes Material vorgefrachtet wurde, führen. In der Folge müssen Schutzmaßnahmen eingeleitet werden. Mit dem erosionsbedingten Abtrag von Bodenmaterial verändern sich auf den betroffenen Flächen wichtige Bodenfunktionen.

Nach dem Gesetz zum Schutz des Bodens (BBodSchG) sind landwirtschaftliche Flächen gemäß den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis zu bewirtschaften. Hierzu sind u.a. Bodenabträge durch eine standortangepasste Nutzung zu vermeiden. Insbesondere für ackerbaulich genutzte Flächen in erosionsgefährdeten Lagen müssen geeignete Maßnahmen getroffen werden, um Bodenabträge durch Erosion zu verhindern. Das erfordert eine möglichst genaue Bewertung der Risiken.

Die Voraussetzungen für eine Bodenverlagerung durch Erosion sind nicht überall in gleich starkem Maße vorhanden. Die standortspezifische Gefährdung für die Wasser- bzw. Winderosion wird durch bodenspezifische, topografische und klimatische Faktoren bestimmt. Insbesondere die jeweiligen Methoden der landwirtschaftlichen Bodennutzung, vor allem der Bodenbearbeitung, können das aktuelle Erosionsrisiko senken oder erhöhen.

Die potenzielle Gefährdung für die Wasser- bzw. Winderosion wird aus Karten und Datenbanken (Bodenschätzungs-, Hangneigungs- und Hydromorphiekarten, Schlagkartei, topografische Karten, Mittelmaßstäbige Landwirtschaftliche Standortkartierung (MMK), Luftbilder aus Biotopkartierung, Geografische Informationssysteme des Landes Brandenburg) abgeleitet und durch Überprüfung vor Ort präzisiert. Flächendeckend für das Land Brandenburg liegen im FISBOS Informationen zur Erosionsgefährdung von Landwirtschaftsflächen im Maßstab 1 : 100.000 vor. Die Dokumentation wurde vom Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung Müncheberg (ZALF) e.V. im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung durchgeführt (Frielinghaus, M. et al. 1994).

Die nachfolgende Karte der potenziellen Wassererosionsgefährdung für das Land Brandenburg wurde aus der Verknüpfung von Substrat- und Neigungsflächentyp lt. MMK generiert und beinhaltet sechs Gefährdungsklassen (1 = ohne ... 6 = sehr starke Gefährdung). Die potenziell stark und sehr stark wassererosionsgefährdeten Gebiete Brandenburgs liegen in der Uckermark, der Prignitz, im Fläming, im Barnim, auf der Lebuser Platte und in der Niederlausitz.

Die potenzielle Winderosionsgefährdung der Landwirtschaftsfläche des Landes Brandenburg kann anhand von sechs Gefährdungsklassen ausgewiesen werden. Die Winderosionsgefährdungsklassen wurden aus der Verknüpfung von Substratflächentyp (SFT) und Hydromorphieflächentyp (HFT) [Angaben aus der MMK] abgeleitet. Die landwirtschaftlich genutzten Böden Brandenburgs weisen einen hohen Flächenanteil mit potenziell starker bis sehr starker Winderosionsanfälligkeit auf. Risikogebiete liegen in den Talsandbereichen der Oder, den sehr leichten Sandstandorten im südlichen Brandenburg sowie in den großen Niederungsgebieten im Nordwesten des Landes.

Die ermittelte potenzielle Erosionsgefährdung muss jeweils durch eine aktuelle standortbezogene Beurteilung vervollständigt werden. Das kann durch die Schadenskartierung nach einem Erosionsereignis, durch die Ermittlung der Schäden am Bodenprofil oder in Form der Untersuchung des Materialaustrages aus der Fläche in ihrer Auswirkung auf angrenzende Schutzgebiete oder Gewässer erfolgen. Hieraus sind flächenbezogene Schutzstrategien gegen erosiven Bodenabtrag abzuleiten.

Einzelne Schutzverfahren und -maßnahmen, z.B. Erhöhung der Bodenbedeckung durch Mulchsaat im Zuckerrüben- und Maisanbau, Vorschläge zur Flur- und Anbaugestaltung usw. werden in den fachlichen Empfehlungen des ZALF ausführlich beschrieben. An dieser Stelle wird hinsichtlich weiterführender Literatur insbesondere auf die "Merkblätter zur Bodenerosion in Brandenburg" verwiesen, die diesem Beitrag zu Grunde liegen.

Literatur:

  • Merkblätter zur Bodenerosion in Brandenburg, ZALF-Bericht Nr. 27, Müncheberg 1997
  • Frielinghaus, M. et al (1994): Bewertung und Kartierung der Wasser- und Winderosionsgefährdung sowie bereits eingetretener Schäden und Ausarbeitung von vorbeugenden und sanierenden Bewirtschaftungsstrategien für erosionsgefährdete Landschaften Brandenburgs. F&E-Vorhaben FM/H/91-339.18/39-20 des MUNR Brandenburg
  • MLUR (2002): Informationsheft zum landwirtschaftlichen Bodenschutz im Land Brandenburg, Teil Bodenerosion. ZALF Müncheberg e.V.
  • Übersichtskarte zur Winderosionsgefährdung von Ackerböden
Letzte Aktualisierung: 21.10.2015

Übersicht


Bodenstruktur

Bodenstruktur ( © Landesamt für Umwelt, T6)


Kontakt:

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Abteilung Wasserwirtschaft 1
Referat 15 - Altlasten, Bodenschutz Grundwassergüte
Tel.: 033201/ 442-663
E-Mail: W 15