MLUL

Aufgaben

Fachübergreifende Themen

Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Verwaltung und Service

Potenzielle Schadverdichtungsgefährdung brandenburgischer Böden

Böden sind aus ökologischer Sicht schadverdichtet, wenn infolge technogener Überlastung, z.B. durch Landmaschinen, das Porensystem soweit reduziert ist, dass Bodenfunktionen zeitweilig oder dauerhaft beeinträchtigt werden. Pflanzen können nur noch eingeschränkt mit Sauerstoff, Wasser und Nährstoffen versorgt werden. Niederschlagswasser infiltriert schlechter in den Boden, dessen Wasserspeicherfähigkeit durch den Porenraumverlust herabgesetzt ist. Mit steigender Lagerungsdichte des Bodens infolge des temporären Einwirkens hoher Auflasten sinkt die Durchwurzelbarkeit ab. Die Lebensbedingungen für Bodentiere und Mikroorganismen verschlechtern sich drastisch.

Zur Kennzeichnung von verdichtungsanfälligen Standorten und Festlegung von Gegenmaßnahmen kann die potenzielle Schadverdichtungsgefährdung des Bodens ermittelt werden. Diese ist Ausdruck der mechanischen Belastbarkeit der Böden durch landwirtschaftliche Maschinen und Geräte. Aus der Gefährdung müssen nicht zwangsläufig auch Verdichtungsschäden entstehen, wenn eine angepasste Landnutzung betrieben wird.

Die landwirtschaftlich genutzten brandenburger Mineralböden wurden im Auftrag des MUNR in 1998 durch das Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung e.V. (ZALF) hinsichtlich ihrer Verdichtungsempfindlichkeit und potenziellen Schadverdichtungsgefährdung beurteilt Die Verdichtungsempfindlichkeit landwirtschaftlich genutzten brandenburger Mineralböden ist in Form der potenziellen Schadverdichtungsgefährdung, als Ausdruck für die mechanische Belastbarkeit der Böden durch landwirtschaftliche Maschinen und Geräte dargestellt. Die Bestimmung der Gefährdungsklassen der Schadverdichtung (SVGK) für brandenburgische Mineralböden erfolgt nach PETELKAU ET AL. 2000. Datengrundlage bildet die digitale MMK des LGRB (Genehmigung vom 22.03.2001).

Ausgehend von den technologischen Vergleichsstufen nach THIERE et al. 19912, die die Böden nach verschiedenen standortkundlichen Merkmalen (z.B. Bodenart, aktuelle Boden-feuchte, Zugkraftbedarf, Bindigkeit/ Festigkeit, Zerfallsbereitschaft der Bodenaggregate) in Bezug auf ihre Bewirtschaftungseignung (Bearbeitbarkeit) zusammenfassen, wurden fünf Schadverdichtungsgefährdungsklassen (SVGK) gebildet. Mittels Verknüpfen mit den Merkmalen Boden-/ Körnungsart, Bodentyp, Unterbodengefüge und aktueller Bodenwassergehalt sind die SVGK den Standortgruppen der "Mittelmaßstäbigen Landwirtschaftlichen Standortkartierung" (MMK) direkt zuordenbar.

Die flächenhafte Darstellung der Die Schadverdichtungsgefährdung landwirtschaftlich genutzter Brandenburger Böden wurde aus der Datenbank der digital aufbereiteten MMK erzeugt.

Die Karte weist aus, dass der größte Teil der Bodenfläche des Landes Brandenburg den Schadverdichtungsgefährdungsklassen "erheblich (verdichtungs-)gefährdet" bis "sehr stark gefährdet" (SVGK 3 - 5) angehört. Hierbei handelt es sich oft um Sandböden, insbesondere sicker- bzw. grundwasserbeeinflusste Sande, deren Belastungsgrenze aus der Sicht der Bodenfruchtbarkeit (unbeeinträchtigtes Pflanzenwachstum) längst überschritten ist, obwohl sie bei hoher Bodenfeuchte aus technisch-technologischer Sicht (Treib- und Zugkraftübertragung) noch relativ lange befahrbar bleiben.

Schlussfolgernd hieraus sollten den flächenbezogen vorliegenden SVGK angepasste Maschinen- und Fahrzeugsysteme bereitgestellt werden, die im Komplex mit bodenschonenden agrotechnischen und technologischen Maßnahmen (gute fachliche Praxis) den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit gewährleisten. Beispielsweise ist ist die Möglichkeit verschiedener Rüstzustände der Fahrwerke von Maschinen/ Fahrzeugen in Anpassung an den aktuellen Bodenfeuchtezustand denkbar.

1  Petelkau, H.; Seidel, K.; und Frielinghaus, M. (2000): 
Ermittlung des Verdichtungswiderstandes von Böden des Landes Brandenburg und Bewertung von Landmaschinen und landwirtschaftlichen Anbauverfahren hinsichtlich der Beeinträchtigung von Bodenfunktionen durch die Verursachung von schwer regenerierbaren Schadverdichtungen. ZALF Müncheberg e.V., Institut für Bodenlandschaftsforschung, F- und E-Bericht im Auftrag des MUNR des Landes Brandenburg
 
2   Thiere, J.; Altermann, M.; Lieberoth, I.; Rau, D. (1991): 
Zur Beurteilung landwirtschaftlicher Nutzflächen nach technologisch wirksamen Standortbedingungen. Arch. Acker- Pflanzenbau Bodenkd.; Berlin 35, 3, 171 - 183
Letzte Aktualisierung: 29.11.2012

Übersicht