Bodenschadverdichtung

Als Bodenschadverdichtung wird der schwer oder nicht mehr reversible Anstieg der Lagerungsdichte in der Ackerkrume und im Unterboden bezeichnet, der durch den Bodendruck von Fahrwerken und Bodenbearbeitungswerkzeugen über die Grenzen des Bereiches der optimalen Lagerungsdichte hinaus verursacht wird.

Das Verdichtungsverhalten der Böden ist in Abhängigkeit von der Korngrößenzusammensetzung, dem Humusgehalt, der Aggregierung und dem aktuellen Wassergehalt differenziert einzuschätzen. Im Ergebnis langjähriger Versuche hat sich gezeigt, dass mischkörnige Sand-, lehmige Sand- und sandige Lehmböden besonders verdichtungsempfindlich sind. Diese Böden sind im Land Brandenburg weit verbreitet und machen den Hauptteil der in der Eiszeit geprägten Standorte aus.

Nicht zu unterschätzen sind Schadverdichtungen der krumennahen Unterböden auf diesen Standorten, die sogenannten Krumenbasisverdichtungen. Sie behindern den Zugang der Pflanzenwurzeln zu den Wasser- und Nährstoffvorräten des Unterbodens und führen demzufolge besonders in trockenen Jahren zu gravierenden Wachstumsschäden.

Auf den Moränenstandorten ist das natürliche Regenerationspotential der Böden so gering, dass selbst auf Stillegungsflächen nach längerer Bodenruhe nicht mit einer Selbstauflösung von technogenen Unterbodenverdichtungen gerechnet werden kann.

Mit der fortschreitenden komplexen Mechanisierung aller Arbeitsprozesse bei der Feld-, Grünland- und Waldbewirtschaftung hat die mechanische Belastung der Böden durch die Fahrwerke von Maschinen, Geräten und Transportmitteln erheblich zugenommen. Gleichmäßige Verteilung unterstellt, betragen die Spurflächen in der Landwirtschaft jährlich das 3 - 10fache der Anbaufläche. Durch die Anlage von Fahrgassen und Regelspuren ist die Bodenbelastung jedoch sehr ungleichmäßig. Manche Areale werden mit mehr als 30 Radpassagen pro Jahr frequentiert, während andere mit geringerer Häufigkeit oder gar nicht betroffen sind. In der Forstwirtschaft werden die Böden vor allem beim Rücken und beim Abtransport gefällter Bäume beansprucht. Auch hier wirken hochbelastete Fahrwerke auf wiederholt befahrene Spurbahnen ein.

Die starke Flächenbefahrung in der Landwirtschaft hat in erosionsgefährdeten hängigen Gebieten Brandenburgs (>3% Hangneigung) zur Folge, dass die Wassererosionsgefährdung im Winterhalbjahr deutlich zunimmt. Die Ursache sind Fahrspuren, die als vorgeprägte Erosionsrinnen fungieren. Vor allem in diesen linearen Erosionsformen erfolgt der Transport von Schadstoffen in benachbarte Ökotope wie Gewässer, Feuchtwiesen, Sölle und Magerrasen.

Der einzige längerfristig erfolgversprechende Weg zur Erhaltung oder Wiederherstellung einer nachhaltigen Nutzbarkeit der agrarischen Standorte Brandenburgs unter Betonung der Multifunktionalität der Böden besteht im Vermeiden von Schadverdichtungen durch Prävention, insbesondere durch eine Landnutzung mit standortspezifischer Begrenzung des technogenen Lasteintrags.

Um Vorsorge vor der Entstehung von Bodenschadverdichtungen zu treffen, hat der Gesetzgeber im §17 Bundes-Bodenschutzgesetz unter anderem folgende Grundsätze der guten fachlichen Praxis formuliert:

  • die Bodenbearbeitung hat unter Berücksichtigung der Witterung grundsätzlich standortangepasst zu erfolgen
  • die Bodenstruktur ist zu erhalten oder zu verbessern
  • Bodenverdichtungen ... sollen soweit wie möglich vermieden werden.

Zur Umsetzung dieser Grundsätze ist eine Bewertung der Bodenverdichtung erforderlich, die auf messbaren Kriterien beruht. Das Referat Bodenschutz hat zu diesem Zweck ein Projekt abgeschlossen, in dem die potenzielle Verdichtungsgefährdung der Böden des Landes Brandenburg ermittelt wird. Die Ursachen und Folgen von Schadverdichtungen sowie Maßnahmen zur Verhinderung und Beseitigung von Bodenschadverdichtungen wurden in Merkblättern zusammengestellt, die für eine Beratung von Landwirten geeignet sind.

Quelle: "Ermittlung des Verdichtungswiderstandes von Böden des Landes Brandenburg und Bewertung von Landmaschinen und landwirtschaftlichen Anbauverfahren hinsichtlich der Beeinträchtigung von Bodenfunktionen durch die Verursachung von schwer regenerierbaren Schadverdichtungen", Projekt, Auftragnehmer: ZALF Müncheberg

Letzte Aktualisierung: 19.11.2014

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