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Schadstoffbelastungen von Überschwemmungsgebieten im Land Brandenburg - Elbauen und Havelpolder

Flussauenstandorte weisen gegenüber sonstigen landwirtschaftlich genutzten Standorten i.d.R. höhere Schadstoffgehalte auf, da bei Überschwemmungen Schwebstoffe, an die Schadstoffe gebunden sein können, abgelagert werden. Auenböden weisen kleinräumig z.T. sehr unterschiedliche Schadstoffgehalte auf. Ursachen dafür können die Schadstoffbelastung des Elbwassers in Abhängigkeit des Einleiterspektrums und die geogenen Hintergrundgehalte sein, aber auch die in Abhängigkeit der Standortbedingungen (z. B. Höhenniveau und Morphologie) unterschiedliche Überflutungsdauer und -häufigkeit.

Folgen können die Belastung von Nahrungspflanzen und Futtermitteln (insbes. bei Grünlandnutzung), von tierischen Produkten, die auf diesen Standorten erzeugt werden und letztlich die Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit sein. Aus diesem Grund ist bei erhöhten Schadstoffgehalten im Boden zu prüfen, ob ein Schadstofftransfer in Nahrungs- oder Futterpflanzen und tierische Produkte stattfindet. Zu bewertende Pfade sind dabei:

» Boden » Pflanze (systemische Aufnahme über die Wurzel und äußere Anhaftung)
» Boden/Pflanze » Tier (Aufnahme über Boden und Futterpflanzen)
» Pflanze/Tier » Mensch (Direktverzehr pflanzlicher und tierischer Nahrungsmittel).

Durch das Landesumweltamt wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Bodenproben aus den Überschwemmungsbereichen der Elbe (Elbvordeich)  in den Landkreisen Elbe-Elster und Prignitz entnommen und untersucht. Die regelmäßig überschwemmten Auenböden weisen erhebliche Schadstoffanreicherungen auf. In den meisten Fällen überschreiten die As, Hg- und Cu-Gehalte der Oberböden die Maßnahmenwerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV). Bei Überschreitungen ist i.d.R. von einer schädlichen Bodenveränderung auszugehen, was Maßnahmen zur Gefahrenabwehr erfordert. Auf land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen kommen gemäß § 5 Abs. 5 BBodSchV bei schädlichen Bodenveränderungen vor allem Schutz- und Beschränkungsmaßnahmen durch Anpassungen der Nutzung und der Bewirtschaftung von Böden sowie Veränderungen der Bodenbeschaffenheit in Betracht. Bei hoch belasteten Standorten ist dabei zu prüfen, ob eine landwirtschaftliche Bodennutzung aus Gründen der Abwehr von Gefahren zu beschränken bzw. untersagen ist.

In einigen Fällen werden in den untersuchten Bodenproben auch die Richtwerte entsprechend den Empfehlungen der Bund/Länder-AG ‚Dioxine' (1993) überschritten. Bei Überschreitung des Richtwerts II ist die Einschränkung auf bestimmte landwirtschaftliche Bodennutzungen zu prüfen. Eine uneingeschränkte Nutzung darf nur bei nachgewiesenem minimalen Dioxintransfer erfolgen.

Die Hg- und Cd-Gehalte im untersuchten Grünlandaufwuchs überschreiten in einigen Fällen die Höchstgehalte an unerwünschten Stoffen in Futtermitteln der Futtermittelverordnung. Bei der landwirtschaftlichen Nutzung der Vordeiche kommen standort- und nutzungsbezogen folgende Schutz- und Beschränkungsmaßnahmen in Betracht:

  • Ausgrenzung von Senkenarealen und Wasserlöchern als Viehtränke
  • Auftrieb erst nach niederschlagsbedingter Abwaschung von Bodenpartikeln vom Aufwuchs
  • Auftrieb nur bei ausreichend hohem Grasaufwuchs, kein zu dichter Viehbesatz
  • kurze Beweidungszeiten bei nasser Witterung auf vernässten Flächen
  • Wiesen- statt Weidenutzung (keine bodengebundene Nutztierhaltung)
  • Verringerung der Verschmutzung durch geeignete Erntetechniken
  • Vermarktung des Grünlandaufwuchses nur nach Nachweis der Unbedenklichkeit
  • Einschränkung der Nutzung Cu-belasteter Flächen durch Schafe
  • Kontrolle und ggf. Korrektur des Boden-pH-Wertes.

Die Ergebnisse der orientierenden Untersuchungen des Landesumweltamt lassen noch keine repräsentativen Aussagen zur möglichen Belastung des gesamten brandenburgischen Elbvordeichs zu. Hierzu sind weitere Untersuchungen erforderlich. Eine grundsätzliche Änderung der Belastungssituation der Böden ist trotz der verbesserten Wasserqualität der Elbe kurz- bis mittelfristig nicht zu erwarten.

Im Zusammenhang mit der Überschwemmung von Polderflächen durch das Elbe- und Havel-Hochwasser 2013 wurden durch das Landesumweltamt Brandenburg in Abstimmung mit dem MUGV, Abteilung Wasser und Bodenschutz, stichprobenartige Untersuchungen durchgeführt, die das Ziel hatten, die Auswirkungen der Überflutung auf den Boden zu untersuchen, den Schadensumfang zu ermitteln und Handlungsempfehlungen abzuleiten. Zusammenfassend ist nach den Untersuchungen festzustellen, dass nach derzeitigem Kenntnisstand ein signifikanter Eintrag von Schwermetallen, As und organischen Schadstoffen durch das Hochwasser in die Auenböden der Polder nicht nachweisbar ist. Relevante Ablagerungen aus sedimentierten Schwebstoffen wurden nicht festgestellt. Maßnahmen aus Sicht des Bodenschutzes sind für die Polderflächen aus diesen Ergebnissen nicht ableitbar.
» Polder-Bodenuntersuchungsprogramm "Hochwasser der Elbe und der Havel in 2013"

Quellen

  • BLAG (Bund/Länder-Arbeitsgruppe) Dioxine (1993): 2. Bericht der Bund/Länder-AG DIOXINE, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
  • Dinkelberg, W., Ritschel, J., Schultz-Sternberg, R. (2000): Problematik der Stoffbelastung von Überschwemmungsböden. in: Brandenburgisches Symposium zur bodenschutzbezogenen Forschung. Studien und Tagungsberichte, Band 24, S. 26-31. Hrsg.: Landesumweltamt Brandenburg
  • Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) vom 12. Juli 1999 (BGBl. I S. 1554) Ritschel, J., Tessmann, J., Behrend, R. (2001) "Schadstoffbelastung von Böden und Aufwuchs aus Vordeichbereichen der Elbe und Havel", Berichte aus der Arbeit, Landesumweltamt Brandenburg
  • Ritschel, J.; Dinkelberg, W. (2003): Die Belastung von Elbauenböden - eine Hochwasserfolge. Beiträge für Forstwirtschaft und Landschaftsökologie, Heft 3/2003. Deutscher Landwirtschaftsverlag GmbH, Berlin.
Letzte Aktualisierung: 29.01.2014

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Referat 15 - Altlasten, Bodenschutz Grundwassergüte
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E-Mail: W 15