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Rieselfelder im Land Brandenburg

Die Anlage von Rieselfeldern erlangte in Deutschland Ende des letzten Jahrhunderts besondere Bedeutung, nachdem in Städten und Ballungsräumen Kanalisationssysteme zur Beseitigung des Abwassers errichtet wurden.

Abwasserverrieselung (-beseitigung) bedeutete die Verbringung von Abwasser auf speziell angelegten Rieselflächen. Dazu wurde das zumeist vorher unbehandelte Abwasser auf unterschiedliche Weise verrieselt. Die im Abwasser enthaltenen Pflanzennährstoffe (Stickstoff, Phosphor u.a.) wurden im Rieselfeldbetrieb auch zur Düngung von landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kulturen genutzt. Neben der Nährstoffzufuhr diente die Abwasserverrieselung auch der ausreichenden Versorgung der angebauten Pflanzen mit Wasser. Mit der Verrieselung wurden jedoch gleichzeitig die im Abwasser enthaltenen Schadstoffe, vor allem Schwermetalle, in großen Mengen in die Rieselfeldböden eingetragen

Voraussetzung für die Anlage von Rieselfeldern war das Vorhandensein von gut durchlässigen Böden, wie z.B. pleistozänen Hochflächensanden mit zwischengelagertem Geschiebemergel im Umland von Berlin. Bei der Passage des aufgebrachten Abwassers wurde die Reinigungsleistung des Bodens genutzt. Dabei wur-den die Inhaltsstoffe des Abwassers sowohl in gelöster Form als auch als Partikel in den Rieselfeldboden eingetragen, dort abgebaut oder angereichert oder mit dem Wasser unter Konzentrationsänderung durch Anreicherung bzw. Ausschwemmung weiter transportiert, wobei eine Vielzahl von geochemischen, physika-lischen, biochemischen und biologischen Vorgängen abliefen.

Bis 1990 zählte das Gebiet des heutigen Landes Brandenburg zu den Regionen in der DDR, in denen die Abwasserverbringung auf Rieselfelder in größerem Maßstab erfolgte. In der Tabelle werden die Anzahl und Größe der zur Abwasserverrieselung genutzten Flächen, geordnet nach heutigen Landkreisen und kreis-freien Städten Brandenburgs, aufgeführt.

Rieselfelder im Land Brandenburg (Stand 2003)

Kreisfreie Stadt/Landkreis

Rieselfelder

Anzahl Fläche [ca. Hektar]
Brandenburg 2 111
Cottbus 3 160
Frankfurt (Oder) 0 0
Potsdam 1 15
Barnim 6 1.100
Dahme-Spreewald 9 1.196
Elbe-Elster 1 20
Havelland 3 138
Märkisch-Oderland 3 304
Oberhavel 2 >190
Oberspreewald-Lausitz 0 0
Oder-Spree 4 63
Ostprignitz-Ruppin 3 48
Potsdam-Mittelmark 8 >1,500
Prignitz 3 > 850
Spree-Neiße 1 >1
Teltow-Flämig 3 1.512
Uckermark 5 53
Summe 57 > 7.200

Vor allem im unmittelbaren Umland von Berlin (Umweltatlas Berlin) oder im Randbereich von Städten wie Potsdam, Cottbus, Brandenburg/Havel, Bernau, Fürstenwalde, Luckenwalde, Neuruppin u.a. wurde anfallendes kommunales und industriell-gewerbliches Abwasser langjährig auf Rieselfeldern ausgebracht.

Der größte Teil der Rieselfelder ist inzwischen stillgelegt, so dass das Problem der auf den Standorten vorhandenen Schadstoffbelastungen, die im Zuge der oft jahrzehntelangen Abwasserbeaufschlagung entstanden sind, im Hinblick auf den Bodenschutz eine besondere Bedeutung erlangt.

Rieselfelder sind altlastverdächtige Flächen (Altstandorte) gem. § 2 Abs. 6 BBodSchG (1998). Die unteren Bodenschutzbehörden sind verpflichtet, Daten über diese Standorte in ihr Altlastenkataster aufzunehmen und an das Landesamt für Umwelt (LfU) weiterzuleiten. Die Untersuchung, Bewertung und Sanierung von altlastverdächtigen Rieselfeldflächen hat nunmehr nach den Vorgaben der BBodSchV (1999) zu erfolgen.

Um den zuständigen Behörden, Eigentümern und Nutzern sowie Ingenieurbüros klare Vorgaben für den Umgang mit den Rieselfeldern zu geben, wurde durch das Landesamt die Studie „Gefährdungsabschätzung und Sanierung von ehemaligen Rieselfeldern unter Berücksichtigung der Anforderungen von BBodSchG/BBodSchV“  herausgegeben.

Die vorliegende Studie besteht aus einem Leitfaden, der vor allem die zuständigen unteren Bodenschutzbehörden und die mit der Untersuchung von Rieselfeldern beauftragten Ingenieurbüros bei der Erfassung, Untersuchung und Bewertung sowie Sanierung derartiger Flächen unterstützen soll und einer ausführlichen Literaturauswertung.

Quellen

  • BLUMENSTEIN, O, FRANKA FISCHER & R. SCHUBERT (1997): Bodenveränderungen durch die Verrieselung von Abwasser. Petermanns Geogr. Mitt., 141:323-342
  • LUA 1995: Rieselfelder Brandenburg-Berlin, in Studien- und Tagungsberichte des Landesumweltamtes, Band 9
  • LUA 1997: Rieselfelder südlich Berlins, in Studien- und Tagungsberichte des Landesumweltamtes, Band 13/14
  • LUA 2003: Gefährdungsabschätzung und Sanierung von ehemaligen Rieselfeldern unter Berücksichtigung der Anforderungen von BBodSchG/BBodSchV, in Fachbeiträge des Landesumweltamtes, Heft-Nr. 77
Letzte Aktualisierung: 27.11.2012

Übersicht



Kontakt:

Landesamt für Umwelt
Abteilung Wasserwirtschaft 1
Referat 15 - Altlasten, Bodenschutz Grundwassergüte
Tel.: 033201/ 442-663
E-Mail: W 15