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Die Rotbauchunke

Bombina bombina

Um 1800 wurden "Stubenhocker" oder jemand, der häufig Unheil voraussagte, der "Schwarzseher" also, in übertragener Bedeutung als Unken bezeichnet.

Die Rotbauchunke ist sehr selten geworden. Es ist schon ein besonderes Erlebnis, sie in der freien Natur zu entdecken. Da, wo sie noch anzutreffen ist, sind Uferbereiche und Gewässer intakt. Die Rotbauchunke ist eine über Jahrmillionen entstandene Art, deren Einzigartigkeit auch für künftige Generationen noch erlebbar sein muss.

Steckbrief

  • Froschlurch, bis zu 50 mm groß
    Oberseite bräunlich, Unterseite schwarz
    mit auffallend gelb-roten Flecken
  • tag- und nachtaktiv
  • Nahrung: hauptsächlich Insekten, aber auch kleine Würmer und Schnecken
  • Bewohner des Flachlandes, lebt in Weihern und Tümpeln, selten an Land
  • Rufe sind melancholische "Unk"- Laute
  • gräbt sich zum Überwintern in die Erde ein
  • Rotbauchunken laichen mehrmals im Jahr und legen dabei insgesamt bis zu 500 Eier ab
  • Larve (Kaulquappe) wird 35 - 55 mm lang
  • Dauer der Larvenentwicklung ist abhängig von Temperatur und Nahrungsangebot (zwischen 1,5 - 3 Monaten)
  • bei Gefahr wird der Körper muldenförmig aufgewölbt, so dass die farbige Unterseite sichtbar wird (Unkenreflex), sie verharrt in dieser Schreckstellung

Lebensweise

Die Rotbauchunken sind ausgesprochene Bewohner offener, kleinerer Gewässer des Tieflandes. Sie bevorzugen aber solche mit lehmigem oder tonigem Grund, wie Tümpel, kleine, stark bewachsene Teiche und Weiher, ebenso Altwässer, Gräben und vegetationsreiche Kiesgruben.
Bei Austrocknung des Wohngewässers halten die Unken "Trockenschlaf" im Schlamm oder werden zum Nachttier, das sich am Tag in Mauselöchern versteckt.
Die Unken sind tag- und nachtaktiv. Bei Gefahr flüchten sie in den Bodenschlamm des Gewässers.
Sie gehen selten an Land. Trotz ihrer aquatischen Lebensweise überwintern Rotbauchunken nicht im Schlamm der Wohngewässer, sondern gesellig an Land in der Erde.

Merkmale

Die Rotbauchunke wird nur etwa 45 bis 50 mm groß.
Den Namen verdankt sie ihrer schwarz-rot gefleckten Unterseite.
Unverwechselbar sind ihre melancholischen "Unk" - Rufe.

 

Fortpflanzung

Von April bis Juli paaren sich die Unken. Hierbei wird das Weibchen vom Männchen an den Lenden umklammert. Bis zu 300 Eier werden einzeln oder in Klümpchen abgelegt und bleiben an Wasserpflanzen haften oder fallen zu Boden.

Die Larven wachsen bis zu einer Länge von 55 mm und verwandeln sich erst im August bis Oktober zu Jungtieren. Mit zwei Jahren erlangen sie Geschlechtsreife.

Verbreitung

Die Brandenburger Vorkommen der Rotbauchunke liegen der westlichen Verbreitungsgrenze dieser Art recht nahe. So kommt sie nur noch nördlich der Linie Wittenberg - Tangermünde - Magdeburg vor. 

Im Verlauf der letzten 100 Jahre war in Deutschland ein rapider Rückgang dieser Art sowohl in der Anzahl der Populationen als auch in deren Individuenzahl zu verzeichnen.
So reduzierten sich beispielsweise die Populationen in Niedersachsen seit 1915 um mehr als 60%. In Niedersachen und Schleswig-Holstein verschwanden allein zwischen 1960 und 1980 54 von 68 bekannten Vorkommen.
In Brandenburg ist die Bestandsentwicklung der Rotbauchunke ebenfalls rückläufig, so dass sie hier inzwischen nur noch sehr lückenhaft verbreitet ist.

Vergleicht man die Literatur über diese Unke zwischen 1845 und 1990, kommt die bedrohliche Situation sehr deutlich zum Ausdruck und lässt sich wie folgt darstellen:

So war es früher ...

" Sie lebt mit Ausschluss der nördlichen Länder fast in ganz Europa und ist in unserer Fauna sehr gemein." (J.H. Schulz Berlin, 1845)

"Wenn sie nach H. SCHALOW'S und meinen Wahrnehmungen der ganzen Provinz Brandenburg angehört, so hat H. SCHALOW sie doch nirgend so auffallend häufig angetroffen als gerade in jenen südlichen Teilen des Reg.-Bez. Frankfurt; mir dagegen ist sie in ungewöhnlicher Zahl begegnet auf der Platte des Barnim bzw. in der Märkischen Schweiz..." (B. Dürigen, Magdeburg, 1897)

... und heute

"Ab Anfang der 60er Jahre konnte die Art nur noch an wenigen Stellen der Mark Brandenburg regelmäßig beobachtet werden..."

"... rapide Bestandsabnahme auf den Falkenberger Rieselfeldern: 1981 = max. 80, 1983 = 14, 1984 = 6 Tiere ..." (R. Nessing, Berlin, 1990)

Lebensräume der Rotbauchunke

Ursachen des Rückgangs

Der dramatische Rückgang dieser Art ist sehr komplex zu sehen.
Nachfolgend sind die wesentlichen Ursachen genannt:

  • Intensivierung der Landwirtschaft
    • Eintrag von Dünger und Pestiziden
    • Bewirtschaftung der Ackerflächen bis an die Ufer
    • Melioration: Entwässerung von Feuchtgebieten, Zuschütten von Laichgewässern, Regulierung der Fließgewässer
    • Strukturarmut der offenen Landschaft durch Flurneuordnung (Mangel an Hecken, Feldgehölzen, Brachen)
  • Grundwasserabsenkung im Bergbau
  • Intensivierung durch fischereiliche Nutzung
  • dichtes Verkehrsnetz

Artenschutz durch Biotopschutz

Oft ist das Anlegen und die Erhaltung von Biotopen die letzte Möglichkeit, die vom Aussterben bedrohte Art zu retten. Wichtige Schutzmaßnahmen sind:

  • Unterschutzstellung der Laichgewässer
  • extensive Bewirtschaftung der Uferrandstreifen (mindestens 20 m, bei Hanglagen mehr), das heißt: kein Umbruch, keine Düngung, keine Pestizide
  • Sanierung geschädigter Gewässer
  • Rückbau von Entwässerungsmaßnahmen
  • Schaffung neuer potentieller Laichgewässer

Die Laichgewässer der Rotbauchunke zeichnen sich durch eine reiche Naturausstattung aus. Oft sind sie die letzen Oasen in einer ausgeräumten und übernutzten Landschaft. Das Schwinden der Rotbauchunke steht stellvertretend für die zunehmende Artenverarmung unserer Landschaft. Das Artenschutzprogramm Rotbauchunke soll dazu beitragen, diesem Trend entgegenzuwirken.

Bitte unterstützen Sie durch eigenes Handeln unser Anliegen.

Letzte Aktualisierung: 12.06.2018

Übersicht


Weitere Informationen

Das Poster "Die Rotbauchunke" können Sie über die Publikationsliste bestellen.


Kontakt:

Landesamt für Umwelt
Abteilung Naturschutz
Referat N3
Grundlagen Natura 2000, Arten- u. Biotopschutz
Naturschutzstation Rhinluch
Norbert Schneeweiss
Tel.: 033922/ 90255
E-Mail an: Norbert Schneeweiss