Rote Liste Brutvögel

Auf Basis langjähriger Vogelerfassungs- und Monitoring-Programme, die die Staatliche Vogelschutzwarte des Landesamtes für Umwelt mit mehr als 300 ehrenamtlichen Vogelkundlern durchführte, kennt man heute in Brandenburg nicht nur die Situation der sehr seltenen Arten, sondern auch die Entwicklung beispielsweise von Feldlerchen, Grünfinken und Mehlschwalben. 

Von den 219 brandenburgischen Brutvogelarten sind ca. 40 Prozent gefährdet; die Seeadler sind im Aufwind, die Feldlerche wird seltener, die Uferschnepfe steht vor dem Aus und das Auerhuhn gibt es nicht mehr. 

Die in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Berlin Brandenburgische Ornithologen (ABBO) erstellte neue Rote Liste und Liste der Brutvogelarten Brandenburgs (T. RYSLAVY & W. MÄDLOW unter Mitwirkung von M. JURKE) ist als Beiheft in der Fachzeitschrift des Landesamtes für Umwelt „Naturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg“  zum Heft 4/2008 erschienen. 

Zur Beurteilung der Bestandsentwicklung konnten erstmals durchgängig die Daten der Monitoring-Programme seltener und häufiger Brutvogelarten herangezogen werden.

Die aktuellen Einstufungen erfolgten konsequent nach den internationalen Kriterien für Rote Listen, wie sie auch in der neuen Roten Liste der Brutvögel Deutschlands 2007 angewendet wurden (SÜDBECK et al. 2007:Berichte zum Vogelschutz 44: 23-81). 

Neben der Bestandsgröße, kurzfristigen Bestandstrends wird nun auch den langfristigen Trends ein höherer Stellenwert beigemessen. Aufgrund dieser konsequenten Anwendung der Kriterien werden alle Arten in nachvollziehbarer Weise gleichwertig behandelt.

Durch die modifizierten Einstufungskriterien, aber auch durch Bestandsveränderungen kommt es teilweise zu erheblichen Veränderungen bei den aktuellen Einstufungen gegenüber den Mitte der 1990er Jahre beschriebenen Daten: „Nur“ noch 86 unserer insgesamt 219 Brutvogelarten stehen jetzt auf der brandenburgischen Roten Liste (1997: 111 Arten), jedoch ist der Anteil der Arten mit den Gefährdungskategorien 0, 1 und 2 deutlich angestiegen, nämlich von 59 Prozent (1997) auf jetzt 69 Prozent.

Weitere 20 Arten damit 6 Arten mehr als bei der letzten Roten Liste - stehen auf der sogenannten Vorwarnliste. Diese hohe Zahl deutet an, dass die nächste Rote Liste zusätzliche Arten enthalten wird.

Die ehemals verbreiteten Arten Rothalstaucher, Tafel-, Krickente, Tüpfelralle, Flussregenpfeifer, Dohle oder Steinschmätzer finden sich jetzt in der Kategorie 1 wieder, ehemals häufige Arten wie Braunkehlchen, Haubenlerche, Saatkrähe, Turteltaube, Uferschwalbe, Wendehals und Wiesenpieper mussten in die Kategorie 2 hochgestuft werden.

Vor allem Arten der Agrarlandschaft, hier insbesondere den Bodenbrüterarten, geht es zunehmend schlechter. Das gilt auch für die Arten des Siedlungsbereiches, wo in erster Linie samenfressende Arten wie Girlitz, Bluthänfling, Stieglitz, Grünfink, aber auch die Haubenlerche überraschend starke Bestandsrückgänge aufweisen. Dagegen haben sich die Arten der Gewässer erholt, und bei den Waldvogelarten ist das Verhältnis zwischen zu- und abnehmenden Arten etwa ausgeglichen.Arten wie Kranich, See-, Fischadler, Schwarzmilan, Mittelspecht, Grauammer oder Raubwürger konnten wegen ihrer positiven Bestandsentwicklungen aus der Roten Liste entlassen werden. Insbesondere bei den genannten Großvogelarten ist das als Erfolg der Schutzmaßnahmen zu werten, die allerdings unvermindert fortzuführen sind, um den guten Erhaltungszustand zu gewährleisten.

Letzte Aktualisierung: 12.12.2014

Brutvögel des Landes Brandenburg


Weitere Informationen


Kontakt:

Landesamt für Umwelt
Abteilung Naturschutz
Referat N3
Grundlagen Natura 2000,
Arten- u. Biotopschutz
Staatliche Vogelschutzwarte
Torsten Ryslavy
Tel.: 033878/ 60257
E-Mail an: Torsten Ryslavy