Der Mauersegler (Apus apus)

Der Mauersegler - Vogel des Jahres 2003

Er ist zum Fliegen geboren und ein Wanderer zwischen den Kontinenten: Der Mauersegler. Apus apus, so sein wissenschaftlicher Name, ist nahezu der einzige Vertreter unter den echten Seglern in Brandenburg. Mit dem Mauersegler wurde ein typischer Bewohner menschlicher Siedlungen zum Vogel des Jahres gekürt. Sein Lebensraum schwindet mehr und mehr, weil neue Gebäude wenig "vogelfreundlich" errichtet werden. Mit ihrem, rußigfarbenen Gefieder, der hellen Kehle, den langen, dünnen, sichelförmigen Flügeln und gegabeltem Schwanz ähneln sie den Schwalben. Daher auch die frühere Bezeichnung Turmschwalbe. Mauersegler sind jedoch eher mit dem Kolibri verwandt.

Schrille Rufe wie "srii srii" lassen den Blick nach oben schweifen. Ein Schwarm schwalbenartiger Vögel jagt mit angelegten Flügeln um den Häuserblock. Nach wenigen Augenblicken löst sich der Schwarm auf, um nach einigen Minuten erneut vereint das Bauwerk zu umkreisen: Mauersegler. Sie sind faszinierende Vögel, die in unseren Breiten einen wohl einzigartigen Lebensstil aufweisen. Fast ihr ganzes Leben verbringen sie in der Luft. Hier suchen sie Ihre Nahrung und selbst die Paarung erfolgt im Flug. Auch zum Trinken landen sie nicht, sondern fliegen im Gleitflug über das Wasser und nehmen die Flüssigkeit auf. Eine Ausnahme bildet die acht- bis zehnwöchige Brut- und Aufzuchtszeit.

Die Mauersegler ernähren sich von Kleinstinsekten, wie Blattläusen und schwärmende Ameisen, die mit der Thermik in höhere Luftschichten gelangen und von den Vögeln mit offenem Schnabel aus der Luft gegriffen werden. Bis zu 3.000 Meter hoch fliegen die Mauersegler auf der Jagd nach Beute. Natürliche Feinde sind rar. Mitunter verstehen es Schleiereulen, erreichbare Brutplätze geschickt abzusuchen und auch Baum- und Wanderfalken sind in der Lage, die wendigen Vögel zu erbeuten.

Mauersegler bauen ein Nest aus wenigen Halmen und Federn, dass mit Speichel verklebt wird. Sie nutzen das Nistmaterial ihrer Vorgänger und tragen nur ausnahmsweise neues Nistmaterial ein. Mauersegler brüten in unseren Breiten nur einmal jährlich. Dabei legen sie im Normalfall 2 bis 3 Eier. Je Brutpaar werden etwa 1 bis 3 Junge flügge, die dann ab Ende Juli ausfliegen. Ganze 3 Monate verweilen die Mauersegler bei uns, bis sie Ende Juli, Anfang August mit ihren Jungtieren in die Überwinterungsgebiete nach Südafrika ziehen. Mauersegler sind Langstreckenzieher. Pro Jahr legen die Tiere bis zu 90.000 km Flugstrecke zurück. Das ist eine beachtliche Leistung, zumal Mauersegler bis zu 20 Jahren alt werden können. Diese Vögel besitzen ein hochpräzises Navigationssystem, was die Altvögel Jahr für Jahr an ihren Brutplatz zurückführt. Dabei finden sie sogar die Brutnische des Vorjahres wieder und können dadurch viele Jahre partnertreu leben. Von den Altvögeln kehren jährlich bis zu 80 Prozent an den Brutort zurück. Die Jungen scheinen hingegen nicht so heimatverbunden zu sein, denn unter den Hunderten in Brandenburg beringten Jungvögeln kam bislang nur ein einziger an seinen Geburtsort zurück. Gegenwärtig brüten in Brandenburg und Berlin zwischen 18.000 und 37.000 Paare. Die Hälfte des Bestandes entfällt dabei auf die Bundeshauptstadt.

Die größte Gefährdung droht Mauerseglern durch Kälteperioden. Tritt sie während der Brutzeit ein, können die Altvögel aber auch die Jungen in Lethargie verfallen und ihren Stoffwechsel herabsenken. Dauert die Kälteperiode lange an, müssen die Vögel verhungern. Viele Mauersegler weichen auch großräumig aus und folgen den Kaltfronten. Sie sind deshalb nur Stunden nach Besserung des Wetters wieder am Brutplatz. In solchen Situationen kann es zur Ansammlung tausender Segler kommen. Mauersegler besiedeln Nischen an hohen Gebäudefronten oder Hohlräume hinter schmalen Fugen. Baumbrütende Mauersegler gibt es heute nur noch in wenigen Restvorkommen, da höhlenreiche Altholzbestände kaum noch vorhanden sind.

Durch Sanierung alter Bausubstanz verloren tausende Paare ihre Brutplätze. Dies führte in Mitteleuropa zu einem deutlichen Rückgang der Mauersegler. Jeder kann mithelfen, diese Vogelart zu schützen, denn es kann nur geschützt werden, was auch bekannt ist und die genauen Brutplätze der Mauersegler lassen sich nur sehr aufwendig erfassen. Mauersegler besiedeln auch angebrachte Nisthilfen, so dass auch an sanierten Gebäuden diese Art wieder brüten kann, wenn Bauherren oder Bewohner die Bedürfnisse der Tiere berücksichtigen.

Letzte Aktualisierung: 16.01.2013

Der Mauersegler

Der Mauersegler (Foto: NABU, A. Limbrunner)

Kontakt:

Landesamt für Umwelt
Abteilung Naturschutz
Referat N3
Arten- u. Biotopschutz
Staatliche Vogelschutzwarte
Tobias Dürr
Tel.: 033878/ 909913
E-Mail an: Tobias Dürr