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Der Feldhase (Lepus europaeus)

Der Feldhase (Lepus europaeus), in unseren Breitengraden auch als Meister Lampe, Mümmelmann oder Langohr bekannt, war Tier des Jahres 2001. Er wird jedoch oftmals mit dem Kaninchen verwechselt, obwohl er an seinen langen Ohren (Löffeln) mit den schwarzen Spitzen und dem kurzen, stark behaarten Schwanz (Blume) leicht zu erkennen ist. Sein Fell schimmert rötlich-braungrau und die Bauchseite ist hell gefärbt.

Ein ausgewachsener Hase kann eine Körperlänge von 80 Zentimeter erreichen und wiegt zwischen 2,5 und 7 Kilogramm. Weibchen (Häsin) sind oftmals größer als ihre männlichen Artgenossen (Rammler). Die vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Tiere sind eher bodenständige - will heißen: reviertreue - Typen. Die Streifgebiete umfassen nur maximal 50 Hektar. Unsportlich sind die Langohren aber nicht. Auf Flucht vor Gefahr können sie durchaus Spitzengeschwindigkeiten von 70 Kilometer pro Stunde erreichen und 2 Meter hoch oder 2,70 Meter weit springen. Sprichwörtlich ist ihre Technik des Hakenschlagens bei voller Fluchtgeschwindigkeit. Weniger bekannt ist hingegen, dass sie gute Schwimmer sind und notfalls auch auf Bäume klettern können.

Sein Geräuscherepertoir reicht vom Fauchen und Knurren über Klagelaute und Quieken bis zu fiependen Lockrufen junger Hasen. Neben Kräutern aller Art und Gräsern frisst der Feldhase auch Früchte, Beeren, Knospen und nagt gerne an Laubholzrinden.

Die Paarungszeit der Langohren, waidmännisch Rammelzeit, liegt zwischen Januar und Juni - bevorzugt im März/April. Vor dem Vergnügen sind aber oft noch Nebenbuhler aus dem Feld zu schlagen. Während früher geglaubt wurde, dass das Boxen mit den Vorderläufen allein diesem Ziel diene, zeigen neuere Forschungen, dass dies offenbar zum Balzritual gehört und solche Kämpfe auch zwischen Männchen und Weibchen stattfinden. Die dabei anfallende Rammelwolle zeigt dem aufmerksamen Spaziergänger den Beginn der Paarungszeit an.

Nach der Hasenhochzeit dauert die Tragzeit 43 Tage. Hasenmütter halten sehr genau die Zeiten zum Säugen des Nachwuchses ein. Sie suchen zu diesem Zweck die versteckt sitzenden Hasenbabys auf und verschwinden dann wieder. Wenn nötig verteidigen die Weibchen ihre Kinder aufopferungsvoll gegen Feinde. Pro Jahr schaffen sie 2 bis 3 in seltenen Fällen 4 Würfe mit 2 bis 4 Jungtieren, die bereits nach der Geburt sehen und laufen können. Zum Ende ihres ersten Lebensjahres haben die Jungtiere bereits die Geschlechtsreife erreicht.

Bleibt zu wünschen, dass die Geburtenrate sich erfreulich entwickelt, da heute noch schätzungsweise 90.000 Tiere im Land Brandenburg leben. Der Feldhase, ist zwar ein echter Europäer, aber er gehört in den heimischen Fluren inzwischen leider einer Minderheitengruppe an.

Vor mehr als zwanzig Jahren, wurden auf dem Gebiet des heutigen Brandenburgs noch Tausende Feldhasen zur Strecke gebracht. Mit 12.094 Exemplaren wird für 1975 sogar der absolute Höchstwert der Neuzeit vermeldet. In den 80er Jahren blieb die Strecke mit 1.500 Hasen auf gleicher Höhe. Für 1981 bekamen die Statistiker allerdings kein einziges Exemplar berichtet.

Die 90er Jahre zeigen eine Stabilisierung der Population - allerdings auf niedrigem Niveau. Für das abgeschlossene Jagdjahr 2000/2001 werden 3.376 Feldhasen (1999/2000: 3.685) gezählt, davon die meisten in Märkisch-Oderland (450), Teltow-Fläming (321), Ostprignitz-Ruppin (317). Potsdam bringt es auf 1 Hasen, Frankfurt (Oder) auf 10, Cottbus und Brandenburg/Havel jeweils auf 20. Bei den Kreisen ist Spree-Neiße mit 89 das Schlusslicht.

Zu berücksichtigen ist aber, dass die Strecke auch Fall- und Unfallwild enthält. Von der Gesamtstrecke des Jagdjahres 2000/2001 sind nur 638 Hasen oder 19 Prozent erlegt worden. Im Gegenteil: Brandenburgs Jäger verzichten in ihrer überwiegenden Mehrheit freiwillig auf die Bejagung.

Während Rot- und Schwarzwild sich hemmungslos zu vermehren scheinen, ist also die Anzahl der Feldhasen trotz ihrer großen Beliebtheit zurückgegangen. So mussten die Mümmelmänner bereits, obgleich noch nicht vom Aussterben bedroht, als gefährdete Art in die Rote Liste aufgenommen werden.

Ursache für diese Entwicklung ist vor allem der moderne Ackerbau. Stickstoffreiche, hochgezüchtete Kulturpflanzen haben für den Hasen wichtige Wildkräuter verdrängt. In kürzester Zeit abgeräumte Felder und die große Arbeitsbreite moderner Landmaschinen erleben die Feldhasen als "Ernteschock".

Während früher die Fressfeinde des Feldhasen den Bestand reduzierten, stellt heute auch die Zerschneidung der Lebensräume durch Straßen und Trassen eine große Gefahr für die Tiere dar. Zudem boten früher noch zahlreiche Gebüsche, Stauden und Baumgruppen an Feldrainen dem Hasen neben einem vielfältigen Nahrungsangebot auch Deckung und Schutz vor Feinden. Diese Feldraine sind in einigen Gegenden der großflächigen Bewirtschaftung geopfert worden.

Letzte Aktualisierung: 13.02.2013

Übersicht


Kontakt:

Landesamt für Umwelt
Abteilung Naturschutz
Referat N3
Grundlagen Natura 2000,Arten- u. Biotopschutz
Jens Teubner
Naturschutzstation Zippelsförde
Rägelsdorf 9
16827 Zippelsförde
Tel.: 033933/ 70816
E-Mail an: Jens Teubner