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Moore als Archive

Die Ablagerungen in Mooren geben mit den darin enthaltenen Resten von Pflanzen und Tieren Auskunft über die Umweltbedingungen vergangener Jahrtausende. Das Bild zeigt die Feldansprache von Moorboden, der mit der polnischen Klappsonde  aus der Tiefe geholt wurde. Eine Ersteinschätzung u. a. von Torf- und Muddeart, Zersetzungsgrad oder Substanzvolumen ist bereits im Felde möglich. Für Großrest- und Pollenanalysen wird das Torf- und Muddesubstrat aufbereitet und im Labor untersucht. (© Dr. Lukas Landgraf)

Brandenburg bietet durch seinen großen Reichtum an Mooren und Moortypen ausgezeichnete Bedingungen für landschaftsgeschichtliche Untersuchungen. Die im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende gebildeten Torfe enthalten eine Vielzahl wertvoller Informationen zur Entwicklung nicht nur der Moore selbst, sondern auch ihrer näheren und weiteren Umgebung. Vor allem der alljährlich eingewehte Pollen von Bäumen, Sträuchern und Kräutern und die schichtbeständige Konservierung seiner widerstandsfähigen, mikroskopisch kleinen Außenhüllen stellt ein biologisches Archiv ersten Ranges dar. Aber auch die Torfarten selbst und andere Großreste wie Käferschalen, Muschelgehäuse oder eingeschlossene Blätter von Bäumen liefern wertvolle Informationen. Aber auch tierische und pflanzliche Reste wie Käferflügel, Muschel- und Schneckenschalen, Blätter, Früchte und Samen sowie die Zusammensetzung der Torfe selbst liefern wertvolle Informationen.

Der Untersuchung der Pollenkörner im Torf widmet sich die Pollenanalyse, während sich die Großrestanalyse mit makroskopisch erkennbaren Bestandteilen beschäftigt. Die Beurteilung der Torf- und Moorbodentypen wird Mooransprache genannt.

Samen von Fieberklee im Seggentorf, die Samenschalen bleiben erhalten. (© Dr. Lukas Landgraf)Neues Fenster: Bild vergrößernDerzeit stehen in Brandenburg derartige Untersuchungen vor allem bei archäologischen Fragestellungen zur Geschichte der örtlichen Landnutzung in den verschiedenen Siedlungsräumen und bei geologischen Kartierungen der Moore als den erdgeschichtlich jüngsten Bildungen durch die jeweiligen Landesämter in Wünsdorf (BLDAM) und Cottbus (LBGR)  im Vordergrund.

Ein gut erhaltenes Birkenblatt in einer Detritusmudde.  (© Dr. Lukas Landgraf)Neues Fenster: Bild vergrößernDarüber hinaus ist die Erhaltung der Moore und ihrer Ablagerungen als Träger biologischer Überlieferung ein zentraler Punkt des angewandten Naturschutzes. Die Ergebnisse derartiger Untersuchungen an Pollen werden zumeist als Pollendiagramme (unter Einschluss von Farn- und Moossporen und einiger sonstiger Kleinfossilien) dargestellt.

Pollenkorn der Hainbuche (© LGBR)Neues Fenster: Bild vergrößern  Pollenkorn der Hasel (© LGBR)Neues Fenster: Bild vergrößern Pollenkorn der Linde (© LGBR)Neues Fenster: Bild vergrößern
Zwei Pollenkörner der Erle (© LGBR)Neues Fenster: Bild vergrößern  Pollenkorn der Kiefer (oben links) und der Eiche (unten rechts) (© LGBR)Neues Fenster: Bild vergrößern

Das Beispiel des Pollendiagramms aus dem Kleinen Moor bei Ferch / Alte Dorfstelle, einem Kesselmoor südlich von Potsdam unmittelbar am steilen Nordrand des Beelitzer Sanders, zeigt den Ablauf der Entwicklung seit der Entstehung der 0,12 Hektar umfassenden ovalen Senke durch ausschmelzendes Resteis am Ende der letzten Eiszeit nach der maximalen Ausdehnung des Schwielowsee-Gletschers.

Pollendiagramm des Kleinen Moores / Alte Dorfstelle bei Ferch von Arthur Brande (aus Rubin, M., Brande, A. & Zerbe, S. 2008 in N&L)

Der beginnenden Waldentwicklung geht eine späteiszeitliche Sanddorn-Weiden-Wacholder-Strauchphase voraus, deren Beginn hier nicht erfasst ist. Mit der Einwanderung und Ausbreitung von Birke und Kiefer folgt eine erste Waldphase, die durch die Einwehung der Laacher-See-Vulkanasche aus der Eifel als wenige Millimeter mächtige hellgraue Schicht in den Gewässerablagerungen der Senke zeitlich klar markiert ist. Eine letzte späteiszeitliche Abkühlung während der Jüngeren Dryaszeit führt zu einer vorübergehenden Wiederausbreitung von Wacholder, Beifuß, Ampfer und Gänsefußgewächen in den aufgelichteten Kiefernwäldern. Danach kommt es in den nacheiszeitlichen Klimaperioden der Vor-, Frühen und Mittleren Wärmezeit zur Einwanderung und Ausbreitung von Hasel, Eiche, Ulme Linde, Esche, Ahorn und Erle bei weiterem Vorherrschen der Kiefer. Erst mit dem Erscheinen von Rot- und Hainbuche in der Späten und der Nachwärmezeit geht die Kiefer, ein starker Pollenproduzent, sichtlich zurück. Fichte und Tanne zeigen die Präsenz aus dem Weit- und Fernflugpollen der Lausitz und den Mittelgebirgen. Erstes Getreide und Spitzwegerich weisen am Beginn der Späten Wärmezeit, der mit einem Rückgang der Ulme verbunden ist, auf den in vielen Landschaften Brandenburgs bereits vorher einsetzenden jungsteinzeitlichen Ackerbau. Erst in der Jüngeren Nachwärmezeit zeichnet sich mit Roggen, sonst. Getreide, Kulturbegleitern und Lichtpflanzen eine deutliche Ausdehnung der Landnutzung mit den Siedlungen Alte Dorfstelle und Ferch im slawischen und deutschen Mittelalter ab, verbunden mit dem rodungsbedingten Rückgang von Eiche, Rot- und Hainbuche vor allem zugunsten der Kiefer.

   

Die Moorentwicklung selbst ist bezeichnend für Kesselmoore, einen weit verbreiteten Moortyp in Brandenburg. Sie beginnt nach einem Basis-Braunmoostorf aus Großem Schönmoos und der Übersandung durch Nachsacken des austauenden Untergrundes mit einem Gewässerstadium. Planktonalgen, Laichkraut und Teichrose werden im Gewässer anschließend von einer kräftigen Braunmoostorfbildung und randlichen Farn- und Röhrichtbeständen abgelöst. In der Mittleren und Späten Wärmezeit ist die Torfbildung stark eingeschränkt. Das ist in unserem Gebiet ein weit verbreiteter Vorgang, der allerdings zeitlich und örtlich wesentlich von den jeweiligen Bedingungen abhängt und somit auch ganz fehlen oder umgekehrt zum völligen Stillstand des Moorwachstums führen kann. Erst in der Älteren Nachwärmezeit kommt es im Kleinen Moor durch das generell feuchtere Klima allmählich zum Wiederaufleben des Torfwachstums, später mit einem für solche nährstoffarmen Kesselmoore typischen Wollgras-Torfmoosbestand, der sich dann in der Jüngeren Nachwärmezeit stärker entwickelt. Dieses Torfwachstum wird durch die Rodungen in der Umgebung weiter begünstigt und erreicht in den 1960er Jahren sein bisheriges, vegetationskundlich gut dokumentiertes Endstadium. In den letzten Jahrzehnten ist das Moor infolge Grundwasserentzugs durch die Trinkwasserbrunnen der Potsdamer Wasserwerke in der nahe gelegenen Fercher Rinne ausgetrocknet, gesackt und oberflächlich vererdet. Heute bedecken 10- bis 15-jährige Kiefern den Rand und ein ebenso junger Birkenbestand das Zentrum der ehemaligen Moorfläche.


 

Weiterführende Informationen: 

Autor: Arthur Brande
 

Literaturliste (Auswahl):

LiteraturBemerkungen
Brande, A.:
Pollendiagramme Großes und Kleines Moor bei Ferch.
– In Böse, M. & Brande, A. 2002:
DEUQUA-Exkursion B2, erweiterter Exkursionsführer:
165 h-k, r-s, vervielfältigt, Berlin, Potsdam.
Weiterführende Literatur
Müller-Stoll, W. R., Neubauer, U. 1988:
Grundwasserbeeinflusste Standorte im Bereich des Stauchmoränenkomplexes „Fercher Berge“
(Bez. Potsdam, DDR) II: Bruchwälder und Moore. –
Archiv für Naturschutz und Landschaftsforschung 28: 21-41, Berlin.
Weiterführende Literatur
Rowinsky, V. 1995:
Hydrologische und stratigraphische Studien zur
Entwicklungsgeschichte von Brandenburger Kesselmooren.
– Berliner Geographische Abhandlungen 60: 1-154, Berlin.
Weiterführende Literatur
Rubin, M., Brande, A., Zerbe, S. 2008:
Ursprüngliche, historisch anthropogene und
potentielle Vegetation bei Ferch
(Gemeinde Schwielowsee, Landkreis Potsdam-Mittelmark).
– Naturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg 1/2008: 14-22, Potsdam.
Weiterführende Literatur
Letzte Aktualisierung: 15.08.2016

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