Der Kampfläufer

Der Kampfläufer (Philomachus pugnax) Wappenvogel des Naturparks Westhavelland, brütete ehemals im Land Brandenburg regelmäßig - wenn auch in vermutlich geringer Anzahl - in den weiten Luchgebieten von Havel, Rhin und Dosse, aber auch von Oder und Spree.

In den 1970er Jahren konnte die Art nur noch an der Unteren Havel und Unteren Oder mit maximal 15 Brutnachweisen bzw. -verdachten festgestellt werden. Gegenwärtig steht die Art in Brandenburg unmittelbar vor dem Aussterben – nur noch ausnahmsweise gelingen Brutnachweise, und selbst Brutverdachtsmeldungen gibt es kaum noch.
Die Art erreicht in Brandenburg ihre südliche Verbreitungsgrenze. Die Schwerpunkte des europäischen Bestandes liegen in Russland und Skandinavien. Von der nach einem dramatischen Bestandsrückgang nur noch 800 bis 1.600 Brutweibchen umfassenden mitteleuropäischen Population brüten ca. 75 Prozent in den Niederlanden, während sich der restliche Bestand hauptsächlich auf die deutsche und polnische Küste verteilt. Überall stark zurückgegangen sind nach Lebensraumverlust und -zerstörung die Binnenlandvorkommen. Neben massiven Lebensraumveränderungen wird beim Kampfläufer ein Einfluss des Klimawandels diskutiert. Einiges deutet darauf hin, dass er zu den ersten Arten in Mitteleuropa gehört, deren südliche Verbreitungsgrenze sich klimabedingt nach Norden verschiebt.

Wiesenbrüter, darunter der Kampfläufer, sind in erster Linie Arten der offenen, an Großgehölzen armen Landschaft. Sie besiedeln bevorzugt großflächige Niederungsgebiete. Diese kommen dem Bedürfnis nach Übersichtlichkeit und dem Schutz vor Feinden entgegen. Einzelne eingesprengte Gebüsche und Bäume werden aber durchaus toleriert, einige Wiesenbrüterarten suchen sogar während der Fortpflanzungszeit ihre Nähe. Ideale Aufenthaltsorte bieten kurzwüchsige und lichte Dauergrünlandflächen mit hohem Grundwasserstand und einem mehr oder weniger ausgeprägten Relief. Trockene Bereiche wechseln sich mit nassen Senken ab, zwischen denen ausgedehnte Feuchtflächen vermitteln. Optimal erweist sich eine abgestufte extensive Bewirtschaftung der Wiesen und Weiden, so dass ein Mosaik unterschiedlichster Grünlandstrukturen vorhanden ist.
Der Kampfläufer nutzt extensiv bewirtschaftete Überschwemmungswiesen mit höheren, trockenen Bereichen zur Gruppenbalz und Nestanlage. Letztere erfolgt bevorzugt in kleinflächig dichter Vegetation meist in unmittelbarer Nähe nasser Flächen. Im extensiv beweideten Feuchtgrünland besiedelt er auch Gräben mit seichten Ufern.

Das Nahrungshabitat bilden trockenfallende Schlammflächen sowie feuchte bis nasse Wiesen und Weiden, deren locker stehende Vegetation auch die Körperhöhe des Kampfläufers erreichen kann. "Arenabalz" Das deutlich größere Männchen trägt zur Balzzeit (Ende April bis Ende Mai) eine bunte Halskrause ("Kragen"), wobei diese bei jedem Männchen unterschiedlich gefärbt bzw. gezeichnet ist. Als einzige Art unter unseren Wiesenbrütern findet beim Kampfläufer eine "Arenabalz" statt, d.h. mehrere Männchen balzen unter Zurschaustellung ihrer bunten Halskrausen und mit Schaukämpfen um die scheinbar uninteressiert herumstehenden Weibchen. Die Brut- und Aufzuchtzeit der Jungen erstreckt sich auf die Zeit von Mai bis Juli.

Wie alle Wiesenbrüterarten ist auch der Kampfläufer Bodenbrüter. In den gut getarnten Nestern besteht das Gelege aus 4 Eiern, die „in Kreuzform“ im Nest liegen. Beim Nestaufbau wird oft nur eine Mulde gedreht, die spärlich mit trockenem Gras ausgepolstert sein kann. Es findet eine Jahresbrut statt; Nachgelege sind - bei Verlust des Erstgeleges - möglich. Ausschließlich die Weibchen kümmern sich um die Brutpflege. Die Jungen sind ausgesprochene Nestflüchter. Da das Gelege erst nach Ablage des letzten Eies bebrütet wird, schlüpfen die Küken ungefähr gleichzeitig. Sie verlassen das Nest meistens schon innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Schlupf, wenn ihr Dunenkleid getrocknet ist. Unter Betreuung des Weibchens erlernen sie bald die selbständige Nahrungssuche.

Bei Gefahr warnt das Weibchen die Jungen und versucht, den Feind durch "Verleiten" wegzulocken. Als sei es verwundet, zieht es mit herabhängenden, ausgebreiteten Flügeln und gespreizten Schwanzfedern die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich. Die Jungen liegen unterdessen bis zur "Entwarnung" eng und bewegungslos an den Boden gedrückt.

Letzte Aktualisierung: 12.02.2013