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Der Kranich

Kranich im BR Schorfheide-Chorin (© Dr. Eberhard Henne)Der Kranich (Grus grus), auch Graukranich genannt, ist von Mittel- und Nordeuropa bis nach Ostasien verbreitet. Kraniche gelten in allen Erdteilen über Länder- und Glaubensgrenzen hinweg. als Vogel des Glücks, der Weisheit und der Wachsamkeit. Dennoch sind viele der 15 auf der Welt vorkommenden Kranicharten gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht.

Brandenburg ist mit 2.600 Kranichpaaren, das sind fast ein Drittel aller Brutpaare in Deutschland, nach Mecklenburg-Vorpommern das wichtigste Verbreitungsgebiet. Die höchsten Brutbestände finden sich in den seen- und moorreichen Landschaften Nordostbrandenburgs, vor allem im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und Naturpark Uckermärkische Seen. In den letzten Jahrzehnten besiedelte der Kranich auch zunehmend renaturierte Bergbaufolgelandschaften in der Lausitz.

Geeignete Brutbiotope sind Flachwasserbereiche in Mooren, Erlen- und Birkenbrüchen, an Seerändern und Teichen. Bevorzugt werden störungsfreie Brutgebiete in Waldrandnähe. Für die Entwicklung der Kranichpopulation sind der Erhalt und die Wiederherstellung von Feucht- und Sumpfgebieten von zentraler Bedeutung. Aber auch die Entwicklung der Landwirtschaft spielt eine große Rolle, vor allem für durchziehende und rastende Kraniche. Innerhalb und im Umfeld der Linumer Teiche rasten alljährlich im Herbst bis zu über 100.000 Kraniche. Diesen größten binnenländischen Kranichrastplatz in Mitteleuropa, der auch für Gänse und Entenvögel von Bedeutung ist, sichert das Projekt Kranichschutz Oberes Rhinluch seit Jahren mit großem Erfolg.

So werden Grünlandflächen und Teiche im Frühjahr und Herbst geflutet. In Kooperation mit den Landwirten wird ein Schadensmanagement betrieben. Im Storchendorf Linum können sich Besucher in der NABU-Storchenschmiede und in der Naturschutzstation Rhinluch über den aktuellen Vogelzug informieren sowie saisonale Exkursionsangebote nutzen. Ein Rundweg im Teichgebiet, Beobachtungskanzeln und –plattformen laden zu eigenen Erkundungen der Teich- und Moorlandschaft nahe Linum ein. Nichtbrütende Altvögel und übersommernde Jungkraniche halten sich in übersichtlichen Acker- und Grünlandgebieten auf.

Mit der Ernte und dem reichen Nahrungsangebot auf Stoppelfeldern beginnt die Sammelperiode in traditionellen Sammelgebieten. Neben den Äsungsflächen ist ein störungsfreier Schlafplatz in einem übersichtlichen Flachgewässer von großer Bedeutung. Ab Mitte August kommen aus den Brutgebieten auch die Kranichpaare mit ihren Jungvögeln hinzu. Bis Anfang Oktober sammeln sich so die meisten Kraniche einer Region auf diesen traditionellen Plätzen.

An traditionellen Rastplätzen steigt aufgrund des Zuzuges aus den östlichen und nördlichen Verbreitungsgebieten die Zahl rastender Kraniche stark an. Ab Anfang Oktober beginnt der Abzug ins Winterquartier. Die Kraniche Mittel- und Nordeuropas ziehen auf dem westlichen Zugweg über Frankreich nach Spanien, um vor allem in den Steineichen-Dehesas (Korkeichenwälder) der Extremadura zu überwintern. Im Zuge immer milderer Winter verkürzen sich jedoch die Zugwege, und es verbleiben sogar immer mehr Kraniche in Mitteleuropa. Mittlerweile sind einige Tausend überwinternde Kraniche in Brandenburg die Regel; in den letzten Jahren waren es hier bis zu 5.000 Überwinterer. Aus den übrigen Wintergebieten kommen die Vögel je nach Wetterlage Mitte Februar bis Anfang März in die Brutgebiete zurück. Die rastenden Kraniche im Frühjahr sind hauptsächlich Tiere der skandinavischen Population sowie aus dem Baltikum. Kurz nach der Rückkehr und der Besetzung der Brutreviere beginnen die Kranichpaare mit der Balz. Das schmetternde Trompeten, ein Duett beider Brutpartner, und das Tanzen sind auffällige Verhaltensweisen, die vor allem der Reviermarkierung dienen.

Kranich mit Jungen  (© Tetzlaff, Landesamt für Umwelt)

Ab März beginnt die Brutperiode. In geeigneten Flachwasserbereichen werden auf einem Nest zwei Eier gelegt. Nach einer Brutdauer von etwa einem Monat schlüpfen die beiden Jungvögel und verlassen als Nestflüchter schon nach kurzer Zeit das Nest. Sie werden von den Altkranichen geführt und in den ersten Tagen in Nestnähe vor allem mit Insekten gefüttert. Nach zwei bis drei Wochen werden bei der Suche nach Nahrung größere Ausflüge unternommen und an das Brutgebiet angrenzendes Grünland oder Felder aufgesucht. Mit neun bis zehn Wochen sind die Jungkraniche flugfähig und verlassen ab Mitte August mit ihren Eltern die Brutplätze, um sich auf den Sammelplätzen den Rastgruppen anzuschließen.

Angang der 1970er Jahre hatte der Kranichbestand in Mitteleuropa einen Tiefpunkt erreicht. Hauptursachen für den dramatischen Rückgang war Lebensraumzerstörung insbesondere durch Entwässerung, Grundwasserabsenkung, Feuchtwiesen- und Grünlandumbruch, Fließgewässerausbau und Trockenlegung von Mooren. Inzwischen hat sich die Zahl der in Deutschland brütenden Kraniche mehr als verzehnfacht. Für Deutschland nennt der Brutvogelatlas "ADEBAR" 7.000 bis 8.000 Brutpaare für den Zeitraum 2005-2009. Die Ursachen dieses Bestandsanstieges liegen in einer Verstärkung der nationalen und internationalen Schutzmaßnahmen, höheren Rückkehrquoten aus den Überwinterungsgebieten, einer besseren Anpassung des Kranichs an menschliche Aktivitäten inklusive der derzeitigen landwirtschaftlichen Nutzung und in einem veränderten Zug- und Überwinterungsverhalten.

Neben Schutz und Wiederherstellung von naturnahen Flussniederungen, Niedermooren, extensiv genutztem Feuchtgrünland und staunassen Bruchwäldern hat sich als wichtige Schutzmaßnahme auch die Erhaltung traditioneller, extensiver Landwirtschaft in den wichtigen Überwinterungsgebieten, z. B. in Spanien, erwiesen. Die Ausweisung von Horstschutzzonen, der Schutz der Brut- und Rastgebiete vor Störungen durch Besucherlenkung und durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit haben ebenfalls zu einer Sicherung der Bestände beigetragen. Sofern die derzeitigen Schutzbemühungen fortgesetzt werden, ist eine weitere positive Entwicklung der Population zu erwarten, verbunden mit einer Arealausweitung auf weitere Teile Westdeutschlands.

Kranichrast im NP Niederlausitzer Landrücken (© Landesamt für Umwelt)

Letzte Aktualisierung: 13.10.2016

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Kontakt:

Landesamt für Umwelt
Abteilung Naturschutz
Grundlagen Natura 2000,
Arten- u. Biotopschutz
Staatliche Vogelschutzwarte
Dr. Torsten Langgemach
Tel.: 033878/ 60257
E-Mail:
Staatliche Vogelschutzwarte
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