Revitalisierung der Schnellen Havel

Planungen und Maßnahmen des Landesamtes zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie

Herzlich willkommen auf den Internetseiten des Landesamtes für Umwelt zur Revitalisierung der Schnellen Havel!

Die 46 Kilometer lange Schnelle Havel fließt vom Vosskanal bei Zehdenick in den Oder-Havel-Kanal (unterhalb des Lehnitzsees) bei Oranienburg. Sie besitzt als Fischwanderstrecke und hinsichtlich ihres abschnittsweise noch passablen Erhaltungszustandes überregionale Bedeutung. Über große Abschnitte schlängelt oder mäandriert ihr Lauf noch, was heute in vergleichbaren Gewässern sehr selten ist. Aber es gibt auch begradigte Abschnitte mit befestigter Uferböschung.

Nur wenige Abschnitte der Schnellen Havel weisen noch ausreichend Gehölze auf, um den Fluss mit Holz für die Gewässerentwicklung zu versorgen. Hydraulische Berechnungen haben gezeigt, dass die Entfernung von umgestürzten Bäumen und Ästen aus dem Fluss zur Vermeidung von Rückstaueffekten nur in seltenen Ausnahmefällen erforderlich ist. Selbst vollständig belaubte Großbäume samt Kronen haben keine aufstauende Wirkung, solange das Abflussprofil nicht nahezu vollständig verschlossen wird. (Foto: Dr. Lukas Landgraf)
 

Im März 2010 wurde unter Aufsicht des LUGV erstmals nach 40 Jahren wieder ein leichtes Hochwasser in die Schnelle Havel eingeleitet. So konnte die hydraulische Leistungsfähigkeit des Gerinnes nach jahrzehntelangen Niedrigwasserdurchflüssen getestet werden. Ackerflächen (im Vordergrund) schränken die Gewässerentwicklung ein. ( Foto: L. Landgraf)Neues Fenster: Bild vergrößern Der Schnellen Havel fehlt das Wasser. Seit fast 40 Jahren wird nahezu der gesamte Wasserzufluss über den Vosskanal am Gewässer vorbeigeführt, so dass insbesondere in den Sommermonaten der Fließgewässercharakter nahezu verloren geht. Lange Jahre wurde die Havel in diesem Abschnitt wie ein landwirtschaftlicher Graben bewirtschaftet, also abgesenkt und aufgestaut ohne Berücksichtigung der Ansprüche eines Fließgewässers mit seiner Tier- und Pflanzenwelt.

Seit Dezember 2010 führt das Landesamt für Umwelt (LfU) Brandenburg ein Projekt zur Revitalisierung der Schnellen Havel durch. Bestandteile dessen sind Bestandserfassungen, Gewässerentwicklungsplanungen und Maßnahmenumsetzungen. Kernfrage des Projektes an der Schnellen Havel ist: Durch welche gemeinsam unterstützten Maßnahmen können die Verwaltungen der Wasserstraßen und der Wasserwirtschaft sicher stellen, dass in Trockenzeiten der erforderliche Abfluss nicht unter 1 m³/s sinkt. Diese Wassermenge brauchen die flusstypischen Fische und Muscheln unbedingt für ihre Sauerstoffversorgung. Wichtig ist auch die regelmäßige Selbstreinigung des Gewässerbettes durch kleinere aber regelmäßige Hochwasser, für die im Winterhalbjahr mittlere Hochwasserabflüsse (MHQ) zur Verfügung gestellt werden müssen. Dafür wird das Landesamt ein Planfeststellungsverfahren beantragen.

Der Bau der Kanäle als alternativem Schiffsweg ersparte der Schnellen Havel die ab Anfang des 20. Jahrhunderts intensiveren Gewässerausbaumaßnahmen der jüngeren Geschichte. Dennoch hinterließen die preußischen Wasserbauingenieure deutliche Spuren am Fluss.( Foto: LUGV, L. Landgraf)Neues Fenster: Bild vergrößernWehre versperren wandernden Fischen den Weg. In Verhandlungen mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde wurde vereinbart, anstelle der parallel zur Schnellen Havel verlaufenden Wasserstraße die Havel selbst als Hauptwanderstrecke für Fische und andere Wasserorganismen zu entwickeln. Vereinbart wurde eine Aufgabenteilung zwischen Land und Bund. Der Bund ordnet die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit am Zuleiter Freiarche Zehdenick und am Ableiter Wehr Sachsenhausen in seine Bauplanung ein. In Verantwortung des Landes liegt die Wiederherstellung der Durchgängigkeit innerhalb Schnellen Havel.

Wegen der zu geringen Wassermengen im Gewässer und der Nährstoffeinträge aus der (agrarisch genutzten) Umgebung tritt im Gewässer Verschlammung auf. Die Fließgeschwindigkeit ist erheblich verringert. Das Gewässerprofil ist für die Durchflussmengen überdimensioniert. Es mangelt an Turbulenzen und gewässertypischem Feststofftransport. Die Folge ist ein Sauerstoffmangel im Wasser. Damit verbunden ist der Rückgang strömungsliebender Fischarten wie Rapfen, Aland, Döbel, Quappe oder Hasel. Die Barbe als Leitfisch der Barbenregion ist in der oberen Havel seit Jahren verschollen. Durch die Revitalisierung der Schnellen Havel soll ihr ursprünglicher Lebensraum wieder hergestellt werden.

Wichtige Maßnahmen an der Schnellen Havel sind u. a. die Erhöhung der Fließgeschwindigkeit durch Einengung des Strömungsprofils, Gestaltung eines Entwicklungskorridors da, wo das Gewässer begradigt wurde, Altarmanbindungen, Gewässerrandgestaltung, Uferentfesselungen und die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit an den Wehrstandorten und die Umwandlung aller Ackerstandorte innerhalb der Aue in Grünland.

Seit Dezember 2010 werden im Rahmen einer projektbegleitenden Arbeitsgruppe, in der die Beteiligten vertreten sind, alle Maßnahmen besprochen.

Die eigentliche Planungsphase für die Erarbeitung des Gewässerentwicklungskonzepts endet 2014. Im Anschluss liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten des Landesamtes auf der Umsetzung von Maßnahmen.




Kontakt:

Landesamt für Umwelt
Abteilung Wasserwirtschaft 2
Referat W 26 - Gewässerentwicklung
Dr. Lukas Landgraf
Tel.: 033201/ 442-512
E-Mail an: Dr. Landgraf