Moorzerstörung

Moore - Themen

In den 100 Jahren seit Anfang des 20. Jahrhunderts ging in Brandenburg eine Moorfläche von etwa 100.000 Hektar verloren (Bauriegel, 2014). Die Hauptursache dafür ist die Entwässerung der Moorböden für die landwirtschaftliche Nutzung. Der Moorflächenverlust hält auch weiterhin an. Dort, wo höhere Wasserstände eingestellt wurden, hat sich die Geschwindigkeit des Moorverlustes verringert.

Sinkt der Wasserstand mehr als 10 Zentimeter unter Mooroberfläche ab, beginnen in Torf und Mudde Bodenbildungsprozesse, in deren Ergebnis irreversible Veränderungen einsetzen, die u. a. zum Verlust der Moorsubstanz führen. Dadurch senkt sich die Mooroberfläche und nähert sich der Grundwasseroberfläche an. Um dann gleichbleibende Wasserstände für die Nutzung zu halten, muss der Wasserspiegel in der Vorflut abgesenkt werden.

Moore, deren Moorbasis unterhalb des mittleren Wasserspiegels in der Vorflut liegt, sind nicht dauerhaft nutzbar. 

Mit der Belüftung der Bodenporen wird eine Bodenbildung in Gang gesetzt. Man unterscheidet in Abhängigkeit von der Entwässerungstiefe verschiedene Bodentypen vom unbeeinflussten Torf ⇒ Ried bis zum stark veränderten Torf ⇒ Mulm. Aufgrund seiner bodenphysikalischen Eigenschaften, gilt für die Moornutzung der Bodentyp ⇒ „Erdfen“ als günstigster Bodentyp. Jedoch lässt sich die Bodenentwicklung auf diesem Stadium nicht „einfrieren“. Bei fortdauernder Entwässerung stellen sich aus Sicht der Landnutzung Degradierungseigenschaften ein. Eine Rückentwicklung von den degradierten Bodentypen ⇒ Fenmulm oder Mulm zum Erdfen ist nicht möglich.

In Folge der Moorentwässerung lassen sich 3 Hauptprozesse  unterscheiden, die zu Verschlechterung der Bodennutzungseigenschaften im Moorboden (Torf, Mudde) führen.

1. Sackung und Bodenverdichtung
Mit dem Wasserentzug im Moor mindert sich die der Gewichtskraft des Moorsubstrates entgegenwirkende Auftriebskraft. Der Moorboden drückt sich in Folge dessen mit zunehmender Entwässerungstiefe auch stärker zusammen.  Dadurch entsteht Bodenverdichtung. Mit erneutem Wasserspiegelanstieg erhöht sich zwar die Auftriebskraft wieder und wird somit die Mooroberfläche wieder angehoben, das Ausgangsniveau der Moorhöhe wird jedoch nicht mehr erreicht. Die Moorsackung lässt sich mit Formeln berechnen.

2. Schrumpfung
Leeren sich die wassergefüllten Poren im Moorboden, so ziehen sich die Festbestandteile stärker an. Die Porengröße verringert sich. Das Bodenvolumen wird somit vermindert. Der entgegenwirkende Prozess ist die Quellung bei Wiederauffüllung der Moorbodenporen mit Wasser. Die Rückquellung ist jedoch nicht vollständig, so dass auch nach Wiedervernässung eine Volumenminderung verbleibt.

3. Torfschwund (Mineralisierung)
Torfschwund entsteht durch den vollständigen Abbau organischer Substanz durch Mikroorganismen in mineralische Bestandteile und Gase (Mineralisierung). Der Teilprozess dessen, die Umwandlung hochmolekularer organischer Stoffe in niedermolekulare, heißt Humifizierung. Durch Mineralisierung findet ein echter Verlust an Festsubstanz statt, da hierbei die klimaschädlichen Gase Kohlendioxid und Lachgas gebildet werden und in die Atmosphäre entweichen. Große mineralisierende Moorflächen haben daher Einfluss auf den Treibhauseffekt.

Im Ergebnis von Sackung, Schrumpfung und Torfschwund haben sich ebene Moorflächen reliefiert. Oft prägen sich dabei Bereiche größerer Moortiefen als Senken heraus.

Eine stark Wert mindernde Eigenschaft tief entwässerter Moorböden ist die Neigung zu Staunässe infolge einer Verdichtungsschicht in einer Tiefe von etwa 20 Zentimeter, also unterhalb der Wurzelzone. Diese Schicht tritt als Folge der Moorbodendegradierung auf. Die Schicht wird kaum durchwurzelt. Sie hemmt die vertikale Bodenwasserbewegung. Es ist derzeit kein technisches Mittel bekannt, um diesen Prozess zu stoppen. Allein die vollständige Wiedervernässung unterbricht diesen Prozess. Moorumbruch schafft nur kurzfristig Abhilfe, da die erneute Stauschichtbildung durch die zusätzliche Belüftung verstärkt wird.

Die Auswirkungen von Moorentwässerungen sind nicht allein auf den Moorboden und das Klima beschränkt. Auswaschungen von Nährstoffen belastet die Wasserqualität unterliegender Gewässer. Nach Ergebnissen des Landeamtes für Umwelt (Böckmann & Päzolt 2012) gehören Phosphorfreisetzungen aus entwässerten Mooren zu den Hauptquellen erhöhter Nährstoffkonzentrationen im Schwielochsee.

 
 

Literaturliste (Auswahl):

Literatur Bemerkungen
Bauriegel, A. (2014): 
Verbreitung der Moorböden. 
In: Luthardt, L. & Zeitz, J. 2014: 
Moore in Brandenburg und Berlin, 
Verlag Natur & Text: 123-135
Im Text verwendet.
Böckmann, C. & Päzolt, J. (2012) 
Regionales Nährstoffreduzierungskonzept Schwielochsee
Fachbeiträge des Landesamtes für Umwelt Nr. 125: 74 S.
Im Text verwendet.
Succow, M. (1988):
Landschaftsökologische Moorkunde,
Gebrüder Borntraeger Berlin Stuttgart: 338 S.
Das Standardwerk der Moorkunde
in den 1990er Jahren
Succow, M. & Joosten, H. (2001):
Landschaftsökologische Moorkunde,
Schweizerbart`sche Verlagsbuchhandlung Stuttgart: 622 S.
Das aktuelle Standardwerk der Moorkunde
Göttlich, K. (1990). Moor- und Torfkunde.
E Schweitzerbart'sche Verlagsbuchhandlung: 529 S.
Immer noch wertvolles Standardwerk
der Moorkunde inklusive Moornutzung
Letzte Aktualisierung: 08.04.2015

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