Moorbodenansprache

Torfmoostorf in geringer Zersetzung H1. (© Dr. Lukas Landgraf)

Die Vermutung, dass Torf aus Pflanzenresten besteht, war bereits Anfang des 19. Jahrhunderts verbreitet.  Alexander von Humboldt nahm noch an, dass das Rhinluch aus einer großen Menge zusammen geschwemmter Schilfreste besteht. Mit dem Höhepunkt der Torfnutzung zur Jahrhundertwende und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs das Interesse an der Torfzusammensetzung, da der Brennwert verschiedener Torfe sich deutlich unterschied. Das war die Geburtsstunde der Torfkunde. Gisbert Große-Brauckmann war einer der Pioniere dieser Zeit und brachte  insbesondere das Wissen auf dem Gebiet der Großrestanalyse und Ansprache der Torfarten weit voran.

In der Standorterkundung wurden für die Beurteilung von Moorböden eigene Methoden entwickelt wie die sogenannte Quetschmethode nach von Post zur Herleitung des Zersetzungsgrades oder die Ableitung der Moorbodenentwicklungsstufen nach Schmidt und Succow. Für die Moorbodenansprache verwendet man in Ostdeutschland traditionell die polnische Klappsonde um schichtenweise Moorbodenproben gewinnen zu können, wobei in genutzten Mooren der belüftete Oberboden separat in einen Spatenschurf untersucht wird (siehe Anleitung für die Erfassung von Moorböden).
Zum Ende der DDR galt für die Moorbodenansprache die TGL 24 300/04. Heute werden Moorböden bodenkundlich mit der KA 5 (Ad-hoc-AG  Boden, Hannover 2005) beschrieben.

Entwässerter Torf verliert sein Gefüge, Struktur und Farbe. Die Endstufe für Torf ist der degradierte Mulm, der an den kleinen relativ schwer zerdrückbaren griesigen. Torfkörnchen erkannt werden kann.

... anschließend wird der Torfquader leicht geschüttelt, so dass Schrumpfungsrisse sichtbar werden.  (© Dr. Lukas Landgraf)Neues Fenster: Bild vergrößern  In genutzten Mooren hat in den obersten Schichten meist Bodenbildung stattgefunden. Für die Ansprache des Moorbodens wird ein bis zu 50 cm tiefer Schurf mit dem Spaten angelegt, ein möglichst vollständiger Torfquader herausgelöst und auf den Boden gelegt ...
In genutzten Mooren hat in den obersten Schichten meist Bodenbildung stattgefunden. Für die Ansprache des Moorbodens wird ein bis zu 50 cm tiefer Schurf mit dem Spaten angelegt, ein möglichst vollständiger Torfquader herausgelöst und auf den Boden gelegt ...(© Dr. Lukas Landgraf)Neues Fenster: Bild vergrößern ... anschließend wird der Torfquader leicht geschüttelt, so dass Schrumpfungsrisse sichtbar werden.

Wasserglastest mit gering zersetztem (links) und vermulmten (rechts) Torf. Während links Torfstrukturen zu erkennen sind und der Überstand klar ist, trübt der vermulmte Oberboden das Wasser erheblich mit Humin- und Nährstoffen ein. (© Daniela Hoth & Stefanie Meisel)Neues Fenster: Bild vergrößernEine einfache Methode um nicht entwässerten von vererdetem und vermulmten Moorboden zu unterscheiden, ist die Wasserglasmethode. Dazu wird in ein Wasserglas zu etwa ein Drittel feldfrischer Torf gefüllt und anschließend kräftig geschüttelt.

Eine fraktionierte Fällung setz ein. Grobe, schwere mineralische Bestandteile setzen sich am Glasboden ab. Gering entwässerter Torf quillt auf. Hier ist auch der Überstand klar, während in entwässerten Mooren das mit Nähr- und Huminstoffen angefüllt Porenwasser in die Vorflut gelang und so die Wasserqualität unserer Gewässer gefährdet.

 

Weiterführende Informationen:

Literaturliste (Auswahl):

LiteraturBemerkungen

Succow, M. & Joosten. H. (2001)
Landschaftsökologische Moorkunde,
Schweizerbartsche Verlagsbuchhandlung: 622 S. 

Beschreibung der Torf- und Muddearten,
Bodenbildung, vollständige TGL 24300/4 im Anhang enthalten.

Ad-hoc-AG Boden,
Bodenkundliche Kartieranleitung,
5. Aufl., 438 S., 41 Abb., 103 Tab., 31 Listen, Hannover 2005

Aktuell gültige Kartieranleitung für alle Böden

Letzte Aktualisierung: 10.08.2016

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Kontakt

Landesamt für Umwelt
Fachbereich Moorschutz

Referat W 26
- Isabell Hiekel
- Jens Thormann
- Dr. Lukas Landgraf
 
korrespondierender Experte
- Udo List (Referat GR 4)