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Nutzung der Moore

Nachhaltige Nutzung der Moore – Paludikultur

Durch Wiedervernässung von Mooren können die Stoff- und Treibhausgasemissionen vormals entwässerter Moore stark reduziert werden. Eine flächendeckende Wiedervernässung mit Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung scheint nur auf ausgewählten Flächen realistisch oder wünschenswert. Die Weiterführung einer herkömmlichen, landwirtschaftlichen Bewirtschaftung ist jedoch aufgrund der fortwährenden Bodendegradation oft nicht möglich. An der Universität Greifswald wurde daher das Konzept der Paludikultur entwickelt, mit dem der Schutz und die Nutzung von Mooren in Einklang gebracht werden sollen. Ziel ist es, die von entwässerten Mooren ausgehende Belastung von Gewässern und Atmosphäre zu stoppen und gleichzeitig eine langfristige Nutzbarkeit durch den Erhalt des Torfköpers sicher zu stellen.

Nasswiese (Foto C. Schröder)Nasswiese (Foto C. Schröder)

Definition

Die Paludikultur ist als Produktion von Biomasse in nassen und wiedervernässten Mooren definiert. Unter unseren klimatischen Bedingungen sind für den geforderten Erhalt des Torfkörpers Wasserstände erforderlich, die höher als 20 cm unter Flur liegen.  Im Idealfall sind die Moore so nass, dass erneut Torfbildung stattfinden kann. Nur die zuwachsende oberirdische Biomasse wird mit angepasster Spezialtechnik geerntet.

Flächen, in denen die Wasserstände nicht auf 20 cm unter Flur angehoben werden können, deren mittlerer Wasserspiegel jedoch nicht tiefer als 40 cm unter Flur liegt, werden als „torfzehrungsmindernd“ eingestuft. Der Torfverlust wird hier im Gegensatz zur herkömmlichen Bewirtschaftung begrenzt.

Mit Paludikultur können neben der Produktion von Biomasse zusätzliche Ökosystemdienstleistungen einhergehen (regionale Kühlung, Verdunstungsleistung, Nährstoffrückhalt, Pufferung des Abflusses, Hochwasserschutz, Biodiversität, etc.). Neben der Produktion von Lebensmitteln (z. B. Milch oder Fleisch von Wasserbüffeln) und nachwachsenden Rohstoffen (Energiebiomasse, Baumaterialien) können weitere Bedürfnisse der Gesellschaft adressiert werden.

Zusätzliche Anforderungen, die über die Aufrechterhaltung hoher Wasserstände hinausgehen, werden nicht gestellt. Eine Düngung ist aufgrund der hohen Wasserstände jedoch nicht möglich. Ebenso ist ein regelmäßiger Umbruch untersagt, da hierdurch die Mineralisation des Torfkörpers gefördert wird.

In Paludikultur werden Pflanzenarten genutzt, die unter nassen Bedingungen wachsen, eine ausreichende Menge und Qualität von Biomasse liefern können und zu Torferhalt bzw. -bildung beitragen. In Brandenburg ist der Anbau von Schilf, Rohrkolben, Rohrglanzgras oder Erlen möglich. Zu beachten ist, dass der gezielte Anbau von Schilf und Rohrkolben von den Landwirtschaftsämtern nicht als landwirtschaftliche Nutzung anerkannt ist. Hier besteht Regelungsbedarf. Von größter Flächenrelevanz ist die Überführung der derzeitigen Nutzungsformen in Nasswiesen. Deren Aufwüchse können z. B. in Heizwerken termisch verwendet werden. Ebenso ist eine Beweidung von wiedervernässten Standorten mit Wasserbüffeln möglich.

Angepasste Erntetechnik (lensecape.org)Angepasste Erntetechnik (lensecape.org)

Auf Nasswiesen, bei denen die Wasserstände im Sommer phasenweise unter Flur liegen, ist eine Bewirtschaftung  mit angepasster herkömmlicher Technik möglich. Bei Wasserständen über Flur ist für die Ernte der Einsatz von Spezialtechnik erforderlich. Bilder und Filme zur Erntetechnik sowie der anschließenden Verwertung sind unter Medien & Videos vom Greifwalder Moorrzentrum einsehbar.

Links

Weiterführende Informationen finden Sie unter: www.paludikultur.de

Eine Hilfe zur Überprüfung, welche Nutzungsalternativen vor Ort möglich sind, gibt das Entscheidungsunterstützungssystem zur torfschonenden Bewirtschaftung organischer Böden.

» www.dss-torbos.de/
   Text: S. Wichmann, W. Wichtmann, Ch. Schröder

Literaturliste (Auswahl):

LiteraturBemerkungen

Schröder, C., Schulze, P., Luthard, V. & Zeitz, J. (2015):
DSS-TORBOS Steckbriefe für Niedermoorbewirtschaftung bei unterschiedlichen Wasserverhältnissen: www.dss-torbos.de

Gute Übersicht zum Thema

Wichtmann, W., Schröder, C. & Joosten, H. (Hrsg.) 2016:
Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Schweizerbart, Stuttgart, 272 S.

Standardwerk

Letzte Aktualisierung: 16.01.2017

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- Isabell Hiekel
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korrespondierender Experte
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