Moore und Nutzung

Morgenstimmung in einer beweideten Moorlandschaft der Nuthe-Nieplitz-Niederung. (Foto: L. Kluge)Morgenstimmung in einer beweideten Moorlandschaft der Nuthe-Nieplitz-Niederung. (Foto: L. Kluge)

Die brandenburgischen Moore werden zum Großteil landwirtschaftlich genutzt und auch Forstwirtschaft spielt noch eine wichtige Rolle. Der Torfabbau, der vom Ende des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts seine Hoch-Zeit hatte, ist gegenwärtig nur noch von untergeordneter Bedeutung. Der Abbau von Raseneisenerz, der früher zeitweilig vor allem in den Luchgebieten florierte, findet nicht mehr statt.

Die hohen Wasserstände der Moore machen sie zu Grenzertragsstandorten der Landwirtschaft, so wie das auch die nährstoffarmen Sandböden der Mark sind.

Aus Sicht der Landwirtschaft sind Moore neben den leichten Sandböden als Grenzertragsstandorte (Standorte marginaler Wirtschaftlichkeit) einzuordnen auf denen die Nutzungsmöglichkeiten begrenzt sind.

Historisch betrachtet waren Moore wichtige Reserveflächen der Landwirtschaft. Bei Knappheit an landwirtschaftlichen Produktionsflächen wurden natürliche Moore neu in Kultur genommen bzw. später die Bewirtschaftung bereits extensiv genutzter Standorte durch weitere Entwässerung, Umbruch, Neuansaat und Düngung intensiviert. Beispiele sind die Kolonisierungen der Moore im 18. Jh. unter König Friedrich dem Großen („eine Provinz im Frieden gewonnen“ und die Komplexmelioration in der DDR.

Der schleichend über Jahre und Jahrzehnte stattfindende Moorverlust nach Entwässerung lässt sich an diesem Stromhäuschen eindrucksvoll dokumentieren. (Foto: M. Succow)Der schleichend über Jahre und Jahrzehnte stattfindende Moorverlust nach Entwässerung lässt sich an diesem Stromhäuschen eindrucksvoll dokumentieren. (Foto: M. Succow)

Aufgrund des immer weiter wachsenden Bedarfs an Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Energie nimmt derzeit das Interesse an der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung der Moore wieder zu. So führte der Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen in Deutschland zur Ausbreitung von Mais für die Biogaserzeugung, wofür auch Moorstandorte tiefer entwässert werden und Grünlandumbrüche zu Acker stattfinden.

Moore sind sensible Standorte, deren Entwässerung zu irreversiblen Schäden führt. Die Anpassung und Einhaltung der Vorgaben einer guten fachlichen Praxis bei der Moorbewirtschaftung sind besonders wichtig. Aufgrund der hohen Moorverluste sind tiefe Entwässerung, Ackernutzung oder auch der Bodenumbruch keine gute fachliche Praxis auf Mooren.

Aus der fortwährenden Entwässerung der Moore resultiert ein jährlicher Höhenverlust bis zu 2 cm. In Brandenburg hat dies bereits zu einem Verlust von 60.000 ha Moor (27 %) Fläche von Mooren in flachen Torfauflagen geführt (siehe: Moore in Brandenburg). Durch Anhebung der Wasserstände (Wiedervernässung) kann dieser Moorschwund begrenzt oder gestoppt werden.

Kulturstau mit Instandsetzungsbedarf (Foto: C. Schröder)

 
Trotz des Förderprogramms zum Landschaftswasserhaushalt und vieler Stausanierungen existieren noch zahlreiche funktionsuntüchtige Anlagen. Es fehlen Stauwärter, die Anlagen und Anlagensysteme fachgerecht bedienen.

 

 

 

 

Für den Erhalt des Moorkörpers sind sommerliche Wasserstände  erforderlich, die höher als 20 cm unter Flur liegen. Bei diesen Wasserständen sind die derzeitigen Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt. Es gibt jedoch auch Nutzungsformen, für die eine Wasserspiegelabsenkung nicht erforderlich ist. Bei diesen Nutzungsformen, die ohne Entwässerung auskommen und somit den Moorkörper erhalten oder sogar eine erneute Moorbildung zulassen, spricht man von „Paludikulturen“.

Insbesondere auf Grenzertragsstandorten wie Moorböden werden Landnutzungsentscheidungen maßgeblich durch die landwirtschaftliche Förderung mitbestimmt. Während Ende der 1990er Jahre ein Rückzug aus den Mooren festzustellen war, erhöhten Agrarreformen wieder das Interesse an der Moornutzung, indem Prämien an die bewirtschaftete Gesamtfläche gebunden und Grünland mit Acker gleichgestellt wurden. Große Flächenanteile der Moore Brandenburgs würden beim Fehlen dieser Anreize nicht mehr bewirtschaftet werden. Für die Aufrechterhaltung der Nutzung in Moore bedarf es einer Überführung der derzeitigen Nutzung in standortangepasste Nutzungsformen. Zukünftig sollten nur Nutzungen, die einen geringen oder keinen Moorverbrauch nach sich ziehen, gefördert werden. Ein erstes wichtiges Instrument in Brandenburg ist die Agrarumweltmaßnahme „Moorschonende Stauhaltung“.

Autoren: S. Wichmann, W. Wichtmann, Ch. Schröder und L. Landgraf


Beratung für Landwirte

Landwirte, die in Brandenburg Moore bewirtschaften oder sich direkt für die Agrarumweltmaßnahme „Moorschonende Stauhaltung“ interessieren, können sich kostenlos beraten lassen:

 

Literaturliste (Auswahl):

Luthardt, V. & Zeitz, J., Hrsg.  (2014):
Moore in Brandenburg und Berlin.
Natur und Text Rangsdorf, 384 S.

Das Standardwerk der Moorkunde
in Brandenburg

Wichtmann, W., Schröder, C. & Joosten, H.,
Hrsg. (2016) „Paludikultur-Bewirtschaftung nasser Moore“,
272 S. Schweizerbart, Stuttgart.

Das aktuelle Standardwerk der Paludikultur

Letzte Aktualisierung: 07.02.2019

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