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Bäume

Baumwurf (landseitig) mit Krater bei Elbhochwasser 2013 © Foto: LfU G. Fromhold-Treu

Einer der wesentlichen Punkte, der die Standsicherheit der Deiche negativ beeinflusst, ist neben dem unzureichenden Aufbau aus mehreren Jahrhunderten der Gehölz- und Strauchbewuchs auf den Deichen und in unmittelbarer Deichnähe. Für den Deich stellen sie eine erhebliche Gefährdung der Standsicherheit dar, denn zum einen können die Wurzeln die Durchsickerung fördern und zum anderen kann durch Konzentration der Stromlinien und Wirbelbildung die Oberflächenerosion verstärkt werden. Weiterhin wird das Auftreten von Wühltieren im Schutz von Gehölzen (insbesondere Strauchwerk) begünstigt. Verrottende Wurzeln durch Wurzelfraß der Wühltiere führen zu Hohlräumen und somit zu vorgezeichneten Sickerwegen.

Auch wird durch Beschattung der Graswuchs unterdrückt und damit die Sicherheit durch eine nicht ausreichend geschlossene Grasnarbe gefährdet. Bei Sturm kann durch die bis in die Wurzeln reichende Baumbewegung der Untergrund gelockert werden. Im Extremfall reißen umstürzende Bäume Löcher in den Deich.

Trotzdem wird vielerorts der Verbleib der Bäume verständlicherweise gewünscht, weil sie charakteristisch und landschaftsprägend sind. Dieser kaum lösbare Interessenskonflikt ist ein wiederkehrendes Moment in vielen Planungsvorhaben und stellt alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen.

Am 22. August 2002 wurde in Auswertung einer Windwarnung deshalb die Kupierung von circa 120 auf dem Deich unterhalb von Wittenberge stehender Bäume veranlasst.

Zudem erschweren Bäume und Sträucher die Deichkontrolle und -unterhaltung. Während der großen Oderflut 1997 mussten erst zahlreiche Bäume gefällt werden, bevor eine Deichverteidigung möglich wurde.

Während des Hochwassers 2002 an der Elbe mussten vereinzelt Bäume gefällt werden, bevor eine Deichverteidigung möglich wurde, zum Beispiel am Roddrangbrack bei Wustrow in der Prignitz. Auch oberhalb von Borschütz im Landkreis Elbe-Elster musste der Elbedeich erst von Strauchbewuchs befreit werden, bevor eine massive Sickerstelle durch eine Quellkade verbaut werden konnte. Zahlreiche Bäume auf den Deichen der schwarzen Elster führten 2010 und 2013 dazu, dass gefährliche Sickerstellen entstanden, die aufwendig gesichert werden mussten.

In ausreichendem Abstand zum Deich können Bäume auf der Wasserseite vorteilhaft sein, denn sie schützen den Deich vor Treibeis oder Treibgut und können zur Reduzierung der Strömungsgeschwindigkeit führen.

Aus den vorher genannten Gründen sind bei der Verstärkung und Modernisierung von Deichen nachstehende Grundsätze zu berücksichtigen:

Wasserseitige Gehölze an Deichen

Der 5 Meter-Sicherheitsstreifen ist laut Brandenburgischen Wassergesetz (BbgWG) von Bewuchs freizuhalten. Im Einzelfall kann entschieden werden, dass tief wurzelnde, standsichere Einzelgehölze, die die Deichunterhaltung und die Deichverteidigung nicht behindern, verbleiben können. Die Vorteilswirkung der Gehölze zum Beispiel bei Eisgang ist zu berücksichtigen.

Pappeln und Strauchwerk sind ausnahmslos zu roden. Die örtliche Ausbreitung und artgemäße Zusammensetzung des Strauchbewuchses ist auch außerhalb des 5 Meter-Streifens zu bewerten.

Übermäßige „Verbuschung" im Vorland führt zur Verminderung des Abflussquerschnittes und dadurch zur Erhöhung der Wasserspiegellage bei Hochwasser. In der Folge werden die wasserseitigen Deichböschungen durch erhöhte Strömungsgeschwindigkeit mehr belastet und erodieren eher. Gegebenenfalls müssen hier Gegenmaßnahmen getroffen werden.

Bäume auf den Deichböschungen und der Berme

Gehölze auf den Böschungen (und der Berme) sind im unmittelbaren Baubereich zu entfernen. Ein Einschütten von Bäumen ist nur unter ganz bestimmten Randbedingungen zulässig. Die Stubben sind zu roden bzw. zu fräsen. Wurzeln, vor allem dickere, sind sorgfältig soweit wie möglich, das heißt mit vertretbarem Aufwand, zu roden. Alle Stubbenlöcher sind bei lagenweiser Verdichtung wasserseitig mit bindigem Erdstoff und luftseitig mit Stützkörpermaterial zu verfüllen. Die Abdeckung mit Mutterboden und die Begrünung richten sich nach dem Projekt.

Die Stubben sind zu roden bzw. zu fräsen. Alle Wundstellen sind mit bindigen Erdstoffen zu verfüllen und mit Rasensoden abzudecken.

Gehölze im land- und wasserseitigen Sicherheitsstreifen

Gehölze im land- und wasserseitigen Sicherheitsstreifen sind grundsätzlich zu entfernen. Die Stubben sind zu roden und die Löcher mit durchlässigen (nichtbindigen) Erdstoffen zu verfüllen. Bei den weiteren Baumaßnahmen ist zu sichern, dass im Deichkörper und Deichlager keine Wurzeln verbleiben.

Ausnahmen für Einzelbäume sind aus Sicht der Standsicherheit nur dort zulässig, wo aufgrund durchlässiger Böden (Bodenklasse SE und SU) oder konstruktiver Maßnahmen (zum Beispiel Entlastungsschlitze bzw. -graben) eine ausreichende hydraulische Entlastung des Untergrundes gesichert ist. Die Wurzelfreiheit im Deichlager ist in jedem Fall herzustellen.

Strauchwerk ist im Sicherheitsstreifen unzulässig und muss beseitigt werden. Die Konfiguration des Strauchbewuchses ist auch außerhalb des 5 m-Streifens in Hinblick auf eine ungünstige Beeinflussung der Strömungsverhältnisse und mögliche erhöhte hydraulische Belastungen der Deichböschungen zu bewerten. Gegebenenfalls muss der zu holzende Bereich ausgeweitet werden.

Im Bereich von Spundwandsicherungen, die die statische Funktion auch ohne Deich übernehmen können, gilt dies selbstverständlich nicht.

Letzte Aktualisierung: 22.03.2019

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Abteilung Wasserwirtschaft 2
Referat W 21 - Hochwasserschutz,
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Tel.: 033201/ 442-276
E-Mail an: Marco Oelze