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Hochwasserereignisse und deren Folgen

Böschungsbruch im Oderbruch Bereich Hohenwutzen während der Oderflut 1997 © LfU - M. FreudeWährend der verheerenden Flutkatastrophe an der Oder im Jahr 1997 traten an den dortigen Deichen teilweise massive Schäden auf. Insgesamt waren folgende Schäden zu verzeichnen:

  • circa 120 größere Schadstellen infolge örtlich austretendem Sickerwassers (Quellen) verbunden mit Erdstoffaustrag
  • Destabilisierung der luftseitigen Böschung infolge flächenhafter Sickerwasseraustritte auf einer Länge von insgesamt 18 Kilometern
  • Böschungsrutschungen an der Binnenseite auf insgesamt ca. 2,7 Kilometer
  • Schaden an der Deichkrone durch Überströmen auf 2 Kilometer Länge
  • 10 Deichbrüche mit vollständigem Verlust des Deichkörpers verbunden mit teilweise beträchtlichen Auskolkungen (bis 12 m Tiefe) des Deichlagers
  • Insgesamt sind 1.400 m Deich völlig zerstört worden

Unmittelbar nach dem Hochwasser begannen umfangreiche Untersuchungen zu den Schadensursachen. Dazu wurde der Deichaufbau erkundet und die Standsicherheit analysiert.

Im Ergebnis der Untersuchungen konnten folgende Schadensursachen festgestellt werden:

  • Es wurden alle bisher registrierten (rückstaufreien) Höchstwasserstände an allen Oderpegeln deutlich überschritten. Für diese Wasserstände waren die Deiche nie bemessen worden. Demnach wiesen einige Deiche eine deutlich zu geringe Deichhöhe auf (fehlender Freibord).
  • Der Schadensverlauf wurde unter anderem durch die lang anhaltenden hohen Wasserstände bestimmt. Hochwasserereignisse mit dieser Dauer waren an der Oder bisher nicht beobachtet worden. Die Sicherheitsreserven der Deiche wurden bei den langanhaltend hohen Wasserständen und dem daraus resultierenden Durchfeuchtungsgrad nahezu erschöpft.
  • Die allgemeine (rechnerische) Standsicherheit lag in der Nähe des kritischen Gleichgewichtszustandes, war in der Regel aber noch gegeben. Größere Probleme bei der örtlichen Standsicherheit gab es insbesondere auf Grund:
    - ungünstiger Kubatur mit zu steilen Böschungen auf der Land- und Wasserseite der Deiche
    - fehlender Potentialentlastungen (des Untergrundes) durch vorhandene Flussauenlehm/Tonschicht und fehlenden Entwässerungseinrichtungen (Filter, Sickerschlitz)
    - zu starker Inhomogenität im Aufbau des Deichkörpers; dadurch bedingt oft eine sehr hoch liegende Sickerlinie
  • Gänge wühlender Tiere (Mäuse, Maulwürfe, etc.) oder Wurzeln von Bäumen und Sträuchern in unmittelbarer Nähe des Böschungsfußes wirkten wie Drainagen. Durchsickerndes Wasser sammelte sich und wurde konzentriert, mit lokalem Austritt, abgeführt (Quellbildung)
  • Der Deichaufbau als Ergebnis einer historischen Entwicklung war aus aktuellem Erkenntnisstand für heutige Anforderungen ungenügend, er entsprach nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik und
  • an einigen Stellen (zum Beispiel Hohenwutzen) befand sich wenig tragfähiger Baugrund im Bereich des binnenseitigen Böschungsfußes.

Zusammenfassend konnte festgestellt werden, dass oftmals ein ganzer Komplex von ungünstigen Einzelfaktoren die Schadensursache war. Damit war klar, dass eine grundsätzliche Modernisierung der Deiche an der Oder erfolgen muss.

Nach dem Rückgang des Hochwassers lagen die Schwerpunkte der Maßnahmen zunächst auf der Reparatur der eingetretenen Deichbrüche und in den Deichabschnitten, die durch Böschungsabbrüche schwer geschädigt waren. Bis November 1997 wurden 10 Deichbruchstellen geschlossen und 17,8 Kilometer Deiche praktisch neu aufgebaut. Die Kosten hierfür lagen bei 36,6 Millionen. Deutsche Mark (18,71 Millionen. Euro).

Im November 1997 wurde durch die Landesregierung Brandenburg das Programm „Sicherheit und Zukunft für die Oderregion" beschlossen.

Für die Modernisierung und Verstärkung der Hochwasserschutzdeiche, die Wiederherstellung der Hochwasserschutzbauwerke sowie zum Ausbau des Gewässer- und Landesmessnetzes wurden hier mittelfristig Maßnahmen im Wert von 291 Millionen Deutsche Mark (148,8 Millionen.Euro) veranschlagt.

Damit begann eine intensivierte und systematische Modernisierung und Verstärkung der Deiche im Land Brandenburg.

Im Jahr 2002 folgte die nächste große Flut, diesmal an der Elbe. Im Verlauf des Hochwassers kam es entlang des Elbedeiches zu unterschiedlichen Gefahrensituationen und zu vielfältigen Beschädigungen . Diese wurden erfasst und katalogisiert. Durch den kurzen Verlauf hielten sich Belastungen (zum Beispiel übermäßige Durchweichungen) und Schäden in Grenzen. Deichbrüche waren im Land Brandenburg nicht zu verzeichnen.

Der Elbehauptdeich hat die Hochwassergefahren im August 2002, Januar 2003 und April 2006 ohne schwere Schäden am Deich zu nehmen, abgewehrt. Bei den Hochwässern 2002 und 2006 wurden mit fallenden Wasserständen im Auftrag des Landesumweltamtes Brandenburg sofort umfangreiche Schadstellendokumentationen angefertigt.

Diese enthalten listenförmige Zusammenstellungen aller Schadstellen nach laufender Nummer, Deich-Kilometer, Schadensart, Länge und Lage zum Beispiel luft- oder wasserseitige Böschung usw. Zum weiteren sind alle Schadstellen in Lageplänen und Übersichtslageplänen dargestellt sowie eine Fotodokumentation dazu angefertigt worden. Leicht konnte also das mehrfache Auftreten von vergleichbaren Schäden bei unterschiedlichen Hochwasserereignissen am gleichen Standort nachgewiesen werden.

Im Ergebnis der Auswertung des Hochwassers 2002 konnten dem Grunde nach ähnliche Schadensursachen wie beim Oderhochwasser 1997 festgestellt werden:

  • In der Region Mühlberg wurden die Scheitelabflüsse und –wasserstände der bisher registrierten Hochwässer deutlich überschritten, was dem Charakter der Elbeflut in diesem Abschnitt entspricht. Für derart hohe Wasserstände wurden die Deiche nie bemessen, das heißt es fehlte an Freibord. Auch die zur Deichsicherung vorgenommene Aufkadung wurde zeitweise überströmt! Die allgemeine (rechnerische) Standsicherheit geriet dadurch in die Nähe des kritischen Gleichgewichtszustandes.
  • In der Prignitz blieb der Scheitelwasserstand dank der Scheitelkappung (gezielte Flutung einiger Havelpolder) 10 cm unter dem HHW vom März 1838. Trotzdem wurde bei Kontrollrechnungen für die unsanierten Altdeichstrecken nachgewiesen, dass auch bei abgeminderter Verkehrslast auf der Deichkrone die laut DIN 19712 geforderten Mindestsicherheiten nicht oder nur knapp erreicht wurden.
  • Bei der örtlichen Standsicherheit gab es bei den Altdeichstrecken größere Probleme, insbesondere auf Grund
    - ungünstiger Kubatur mit zu steilen Böschungen land- und wasserseitig
    - von Potentialentlastungen (des Untergrundes) durch Entlastungsschlitze und Entwässerungseinrichtungen (Filterprisma)
    - zu starker Inhomogenität im Aufbau des Deichkörpers; dadurch bedingt eine sehr hoch liegende Sickerlinie
  • Der Deichaufbau als Ergebnis einer historischen Entwicklung ist für heutige Anforderungen ungenügend, er entspricht nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik.
  • Gänge wühlender Tiere
  • Wurzeln von Bäumen und Sträuchern
  • Materialaustrag in der näheren Umgebung des Deiches (Sandkegeln)

Auch die nachfolgenden Hochwasserereignisse in den Jahren 2006 an der Elbe, im Jahr 2010 in den Flüssen Oder, Neiße, Spree, Schwarze Elster, Havel und Elbe sowie im Januar 2011 in nahezu allen Brandenburger Wasserläufen und besonders das enorme Hochwasser an der Elbe im Jahr 2013 haben verdeutlicht, dass modernisierte Deiche einen essentiellen Grundschutz für die Bevölkerung, die Infrastruktur und die Landwirtschaft darstellen. Der Deichbau nimmt somit eine bedeutende Stellung im Hochwasserschutz ein.

Außerdem wurde bei allen Ereignissen offenkundig, dass an den modernisierten und verstärkten Deichabschnitten keine nennenswerten Probleme auftraten. Umso wichtiger ist eine kontinuierliche Weiterführung der Deichbauprogramme.

Letzte Aktualisierung: 26.03.2019

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Landesamt für Umwelt
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Referat W 21 - Hochwasserschutz,
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Tel.: 033201/ 442-276
E-Mail an: Marco Oelze