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Wanderfalke (Falco peregrinus)

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Schutzstatus

  • Rote Liste Brandenburg: gefährdet
  • Rote Liste Deutschland: ungefährdet
  • Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union: Anhang I
  • Nationale Verantwortlichkeit: -

Bestand und Bestandsentwicklung

Nach zwanzigjähriger Laufzeit wurde im Mai 2010 das Wiederansiedlungsprojekt für die Baumbrüterpopulation des Wanderfalken mit einer internationalen Fachtagung erfolgreich abgeschlossen.

Die einst tausende Paare umfassende Baumbrüterpopulation erstreckte sich von den Niederlanden bis zum Ural. Siedlungsdichte und Bruterfolg zeigten eine vitale Population. Die ökologische Besonderheit der Baumbrut innerhalb der eigentlich auf Felsen oder am Boden brütenden Art (zum Beispiel in der Tundra) war alles andere als eine "Notlösung". In der "Pestizid-Ära" ist diese Population bis Ende der 1970er Jahre vollständig dem Einsatz chlorierter Kohlenwasserstoffe in Land- und Forstwirtschaft zum Opfer gefallen. Auf der Basis einer fundierten Analyse von Rückgangsursachen und Wiederansiedlungschancen wurde 1990 das Wiederansiedlungsprojekt durch den Arbeitskreis Wanderfalkenschutz e.V. (AWS) und die Naturschutzstation Woblitz (ab 1991 Landesamt für Umwelt) gestartet.

Der AWS mit Sitz in Freiberg (Sachsen) ist in den ostdeutschen Bundesländern aktiv und wird seit vielen Jahren erfolgreich durch Dr. G. Kleinstäuber geleitet. Durch die Mitglieder ist der Niedergang der Wanderfalkenpopulation gut dokumentiert worden. Es gab schon seit den 1980er Jahren Überlegungen für ein Wiederansiedlungsprogramm. Im Jahre 1990 erfolgte die Auswilderung der ersten drei Wanderfalken im Norden Brandenburgs aus einer Gefangenschaftszucht.

Die heute zur Staatlichen Vogelschutzwarte gehörende Naturschutzstation Woblitz (P. Sömmer) spielte von Anfang an eine zentrale Rolle im Projekt. Weitere Kooperationspartner waren unter anderem der Deutsche Falkenorden e.V. (DFO), der Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern, die Biosphärenreservatsverwaltung Mittlere Elbe in Sachsen-Anhalt und die Oberförstereien Luckau und Lieberose in Brandenburg. Bis 2010 wurden unter Federführung des AWS insgesamt 614 junge Wanderfalken freigelassen. Dies erfolgte teils über die sogenannten Kunsthorstmethode ("Hacking") und, nachdem es wieder erste Baumbrüter gab, auch durch Adoption. Eingebunden waren sechs verschiedene Auswilderungsstationen in West-Mecklenburg, Nord- und Südost-Brandenburg sowie West-Sachsen-Anhalt.

409 Jungfalken, ganz überwiegend vom DFO bereitgestellt, kamen aus Gefangenschaftszuchten. 205 junge Wanderfalken wurden aus gefährdeten Bauwerksbruten geborgen und im Zuge genehmigter Rettungsumsetzungen aus den Bundesländern Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin in das Baumbrüterprojekt des Wanderfalken eingebunden. Schon die erste Brut 1996 nahe dem ersten Auswilderungsplatz war erfolgreich. Angesichts der zuvor bisweilen geäußerten Zweifel an den Erfolgsaussichten des Projektes erregte dies international großes Aufsehen in der Fachwelt.

Inzwischen (Stand 2018) sind 75 besetzte Baumbrutplätze in Nordostdeutschland bekannt, davon allein 48 in Brandenburg. Der Gesamtbestand in Brandenburg lag 2018 bei 84 Paaren, die neben den Waldbruten auf Gebäuden, Stromleitungen und in einem Fall in einem Steinbruch nisteten. Die Rückkehr des Wanderfalken und insbesondere die Wiederbelebung der Baumbrüterpopulation kann damit als ein voller Erfolg angesehen werden, der zudem auf hohem Niveau wissenschaftlich dokumentiert ist. Alle seit 1990 ausgewilderten und viele seit 1996 in den Naturbruten geschlüpften Jungfalken wurden mit speziellen Farb- und Kennringen versehen. Ein großer Teil dieser Falken konnten später als Brutpartner in Wanderfalkenrevieren wiederentdeckt und anhand ihrer Kennringe über viele Jahre in ihrem Lebenslauf verfolgt werden.

Den AWS-Mitgliedern und -partnern ist für ihr immenses ehrenamtliches Engagement zu danken. Planmäßig wurde das Schutzprojekt Wanderfalke als Wiederansiedlungsprojekt 2010 grundsätzlich beendet, und der weitere Schutz erfolgt durch konventionelle Methoden. Internationales Ziel ist es, das gesamte frühere Areal der Baumbrüterpopulation wieder zu besiedeln. Dazu trägt ein Wiederansiedlungsprojekt in Polen bei.

 

Schutzstatus

  • Rote Liste Brandenburg: gefährdet
  • Rote Liste Deutschland: ungefährdet
  • Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union: Anhang I
  • Nationale Verantwortlichkeit: -

Bestand und Bestandsentwicklung

Nach zwanzigjähriger Laufzeit wurde im Mai 2010 das Wiederansiedlungsprojekt für die Baumbrüterpopulation des Wanderfalken mit einer internationalen Fachtagung erfolgreich abgeschlossen.

Die einst tausende Paare umfassende Baumbrüterpopulation erstreckte sich von den Niederlanden bis zum Ural. Siedlungsdichte und Bruterfolg zeigten eine vitale Population. Die ökologische Besonderheit der Baumbrut innerhalb der eigentlich auf Felsen oder am Boden brütenden Art (zum Beispiel in der Tundra) war alles andere als eine "Notlösung". In der "Pestizid-Ära" ist diese Population bis Ende der 1970er Jahre vollständig dem Einsatz chlorierter Kohlenwasserstoffe in Land- und Forstwirtschaft zum Opfer gefallen. Auf der Basis einer fundierten Analyse von Rückgangsursachen und Wiederansiedlungschancen wurde 1990 das Wiederansiedlungsprojekt durch den Arbeitskreis Wanderfalkenschutz e.V. (AWS) und die Naturschutzstation Woblitz (ab 1991 Landesamt für Umwelt) gestartet.

Der AWS mit Sitz in Freiberg (Sachsen) ist in den ostdeutschen Bundesländern aktiv und wird seit vielen Jahren erfolgreich durch Dr. G. Kleinstäuber geleitet. Durch die Mitglieder ist der Niedergang der Wanderfalkenpopulation gut dokumentiert worden. Es gab schon seit den 1980er Jahren Überlegungen für ein Wiederansiedlungsprogramm. Im Jahre 1990 erfolgte die Auswilderung der ersten drei Wanderfalken im Norden Brandenburgs aus einer Gefangenschaftszucht.

Die heute zur Staatlichen Vogelschutzwarte gehörende Naturschutzstation Woblitz (P. Sömmer) spielte von Anfang an eine zentrale Rolle im Projekt. Weitere Kooperationspartner waren unter anderem der Deutsche Falkenorden e.V. (DFO), der Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern, die Biosphärenreservatsverwaltung Mittlere Elbe in Sachsen-Anhalt und die Oberförstereien Luckau und Lieberose in Brandenburg. Bis 2010 wurden unter Federführung des AWS insgesamt 614 junge Wanderfalken freigelassen. Dies erfolgte teils über die sogenannten Kunsthorstmethode ("Hacking") und, nachdem es wieder erste Baumbrüter gab, auch durch Adoption. Eingebunden waren sechs verschiedene Auswilderungsstationen in West-Mecklenburg, Nord- und Südost-Brandenburg sowie West-Sachsen-Anhalt.

409 Jungfalken, ganz überwiegend vom DFO bereitgestellt, kamen aus Gefangenschaftszuchten. 205 junge Wanderfalken wurden aus gefährdeten Bauwerksbruten geborgen und im Zuge genehmigter Rettungsumsetzungen aus den Bundesländern Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin in das Baumbrüterprojekt des Wanderfalken eingebunden. Schon die erste Brut 1996 nahe dem ersten Auswilderungsplatz war erfolgreich. Angesichts der zuvor bisweilen geäußerten Zweifel an den Erfolgsaussichten des Projektes erregte dies international großes Aufsehen in der Fachwelt.

Inzwischen (Stand 2018) sind 75 besetzte Baumbrutplätze in Nordostdeutschland bekannt, davon allein 48 in Brandenburg. Der Gesamtbestand in Brandenburg lag 2018 bei 84 Paaren, die neben den Waldbruten auf Gebäuden, Stromleitungen und in einem Fall in einem Steinbruch nisteten. Die Rückkehr des Wanderfalken und insbesondere die Wiederbelebung der Baumbrüterpopulation kann damit als ein voller Erfolg angesehen werden, der zudem auf hohem Niveau wissenschaftlich dokumentiert ist. Alle seit 1990 ausgewilderten und viele seit 1996 in den Naturbruten geschlüpften Jungfalken wurden mit speziellen Farb- und Kennringen versehen. Ein großer Teil dieser Falken konnten später als Brutpartner in Wanderfalkenrevieren wiederentdeckt und anhand ihrer Kennringe über viele Jahre in ihrem Lebenslauf verfolgt werden.

Den AWS-Mitgliedern und -partnern ist für ihr immenses ehrenamtliches Engagement zu danken. Planmäßig wurde das Schutzprojekt Wanderfalke als Wiederansiedlungsprojekt 2010 grundsätzlich beendet, und der weitere Schutz erfolgt durch konventionelle Methoden. Internationales Ziel ist es, das gesamte frühere Areal der Baumbrüterpopulation wieder zu besiedeln. Dazu trägt ein Wiederansiedlungsprojekt in Polen bei.